Welle auf italienisch heißt Whitezu

whitezu

Eine Frage, die wir uns seitdem wir das Longboarden das erste Mal entdeckten, immer wieder stellen ist:

Wie ähnlich ist das Longboarden dem klassischen Wellenreiten?

Liest man sich in die Historie ein und glaubt den Legenden, die sich um das Skateboarden ranken, dann ist der Spaß auf vier Rollen aus der Not heraus entstanden. Waren keine Wellen, stieg man auf das Skateboard. In den 70er waren es dann die Dogtown Jungs, die den Spaß in die Pools verlegten, denn die glichen (zumindest in den USA) einer laufenden Welle. Unsere heimischen Swimmingpools „brechen“ ja eher Closeout und nicht mit dem Skateboard zu nutzen. Aber zurück zur Frage: bis auf die Tatsache, dass man sich auf einem Brett befindet, hat das Longboard nichts mit dem Surfen zu tun. Auch wenn die Massenmedien immer mal wieder versuchen, das Surfen auf die Straße zu verlegen, es sind und bleiben zwei Paar verschiedene Schuhe. Um tatsächlich eine Art Surffeeling zu bekommen, muss man schon auf Surfskateboards zurückgreifen.

Carver, Smoothstar, YOW, Peaceboards, Jucker oder auch Slide bauen Achsen, die das Gefühl des Surfens auf die Straße bringen. Mit Landlocked und Curf haben wir auch zwei deutsche Firmen, die Systeme entwickelt haben.

Der Unterschied zum klassischen Achsensystem ist sicherlich die Beweglichkeit und Lenkwinkel, die mit Standard RKP- oder TKP-Systemen nicht zu realisieren sind. Es sei denn, man riskiert einen Wheelbite oder den kompletten Kontrollverlust über sein Rollbrett.

Um mit den Surfskateboards Spaß zu haben, bedarf es nicht viel. Ein Parkplatz oder auch ein Parkhaus lassen das Surferherz höher schlagen und reichen aus. Und doch fehlt einigen etwas. Und zwar die Neigung, die es anzufahren gilt, um die Welle zu simulieren. In herkömmlichen Skateparks sind die Winkel nicht unbedingt ideal und ein Flow kommt nicht auf.

Was tun?

Eine Lösung haben wir in ziemlich genau 1000 Kilometern Entfernung gefunden. In der italienischen Küstenstadt Cesena. Matteo Tontini baut dort mit seiner Firma Whitezu, Anlagen für Wakeboards, Surfskateboards und Skateboards. Eine der Anlagen nennt sich Backyard Wave. Diese hat einen ganz bestimmten Winkel in der Auffahrt und ist optimiert für Surfskateboards. Eigentlich haben wir nicht ihn gefunden, sondern er uns.

Bereits auf der ISPO vor vier Jahren stellte er uns sein Konzept vor.

Wir hatten uns nicht näher damit befasst, denn die Longboardwelle war auf ihrem Höhepunkt und der Pumptrack war und ist das Premiumprodukt für den durchaus überschaubaren Markt an, nennen wir es mal Longboard-Funpark Produkten. Ein Licht ist uns erst im Sommer dieses Jahres aufgegangen, als wir bei Twitter ein Video sahen. Ein komplett durchgeknallter Moderator schrie seine Stimme heiser, um den auf einer der Glasfaserwellen befindlichen Surfskater zu Höchstleistungen anzutreiben. Tatsächlich hatte es Matteo geschafft seine Rampen zu bauen und das Feedback aus der Szene war sehr positiv.

Wie kam es zur Idee?

Es gibt einige Wellenreitspots in Europa: Hossegor, Peniche, Lacanau oder hierzulande Sylt. Auf der Landkarte des europäischen Wellenreitens ist das Mittelmeer jedoch ein weißes Stück Papier. Dort gibt es, außer mit viel Glück auf Sardinien oder in Levanto, kaum Möglichkeiten zu surfen.

Im Winter kann es dann schon mal deutlich sportlicher werden, aber bei kaltem auflandigem Wind auf Windwellen zu lauern, ist nicht immer das Gelbe vom Ei.

Irgendwann fingen die Freunde von Matteo an, ihn zu beknien er möchte mal ein Obstacle für Surfskateboards bauen. Er brauchte an den bestehenden Rampen die Winkel nicht groß zu verändern und schon bald hatte er mit der „Back-yard Wave“ ein kostengünstiges Produkt gebaut, das durchaus Spaß brachte.

Mit der Rampe, die er „Pro Training Spot“ nennt, hat er aber den Vogel abgeschossen, und Firmen wie Rip Curl buchten ihn und seine Rampen, um bei Wellenreitmeisterschaften das Rahmenprogramm zu gestalten. Dass es hierbei zu einer engeren Zusammenarbeit mit Carver Skateboards kam, war naheliegend. Auch Slide Surfskateboards und Ministry of Stoke nahmen sich der Sache an. Binnen wenigen Monaten war der Bekanntheitsgrad seiner Konstruktionen erheblich gestiegen. Auf der ISPO stellte Matteo einen „Pro Training Spot“ auf, um dem heimischen Publikum die Faszination seiner Trainingsmodule näher zu bringen. Eine kleinere Anlage haben wir im Rahmen der ISPO-Vorbereitung nach Wenningstedt auf Sylt gebracht. Der dortige Leiter der Sportorganisation, Kai Müller vom Tourismusservice hatte auch schon den Erfolg des Pumptracks vorhergesehen. Vor etwa vier Jahren kaufte die Tourismusverwaltung einen Pumptrack für die Funsporthalle und war damit eine Art Trendsetter im Norden der Republik.

Ob sich die Whitezu-Rampen in Deutschland tatsächlich durchsetzen können, wird man nach der ISPO vielleicht schon bestätigen können. Dort wird im Rahmen der Longboard-Embassy nun schon das dritte Mal eine Wave installiert. Die wichtigsten Surfskatefirmen stellen aus und Matteo bittet zum Tanz.

Für die Rampen spricht der verhältnismäßig niedrige Preis von 1.500 Euro je Modul der „Backyard Wave“ und das recht geringe Gewicht von 70 Kilogramm. Dies ermöglicht es die Rampen mobil einzusetzen. So ist das Komplettset der Backyard Wave für 4.500 Euro zu haben. Der wesentlich größere Pro Surfskate Spot liegt bei über 30.000 Euro. Die Maße liegen bei 6 x 2,30 Meter beziehungsweise 16 x 5,30 Metern. Während sich die Backyard Wave mit zwei Leuten binnen weniger Minuten aufbauen lässt, hat man beim Pro Training Spot ein Modulgewicht von 220 Kilogramm. Da reden wir bei der ganzen Anlage von 1.8 Tonnen und einem Muskelkater, bevor wir auch nur eine Runde gedreht haben. Aber abgesehen davon: Kommt zu Besuch und bringt euren Skatepark mit? Mit dem LKW lässt sich das erledigen. Mittlerweile gibt es mit der Onda Zero sogar ein Modul, dass in einen Mittelklassenfiat passt!