Treibholz Boards

Treibholz Boards

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Der Nordosten Deutschlands gilt nicht eben als Longboardhochburg. Mecklenburg-Vorpommern hat wenig Einwohner und noch weniger Berge. Begibt man sich auf den langen Weg Richtung Rügen, fährt man zwangsläufig durch die altehrwürdige Hansestadt Stralsund. Sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte man die Altstadt der 57.000 Einwohner großen Stadt.

Von einer sehr großen Longboardszene zu sprechen, das wäre übertrieben, aber es gibt in Stralsund eine rege, kleine Community und alle 14 Tage eine Rollrunde von 20 bis 30 Longboardenthusiasten. Die Szene wächst; der Boom der letzten Jahre ist auch an Stralsund nicht ohne Spuren vorbeigezogen.

Und mittendrin in der wachsenden Rollbrettszene Stralsunds befindet sich der hier ansässige Longboardhersteller Treibholz.

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Unser erste Gedanke war: „Noch jemand, der Boards aus gesammelten Hölzern baut“. Aber nach kurzer Recherche war uns klar, dass es sich bei dem Label Treibholz nicht um verwitterte Planken handelt – wie beispielsweise die von Kevin Klüver ins Leben gerufene „Knattaplanke“. Treibholz verfolgt einen anderen Ansatz. Mit dem Namen soll auf die Verbundenheit zur Küstenregion rund um Stralsund angespielt werden, und es ist natürlich ein prima Wortspiel.

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Marius Düring und Frank Mersmann hatten im Sommer 2014 die Idee, professionell eigene Longboards zu bauen. Zugegebenermaßen ist die Anzahl der Longboarder, die beschließen eigene Bretter zu bauen, immens gewachsen. Aber die wenigsten bauen basierend auf dieser Grundidee eine funktionierende Firma auf. Frank hatte bereits einiges an Erfahrung im Eigenbau gesammelt. Aber würden die Werkstücke von Hobbybastlern mit handelsüblichen Markenbrettern, die in Serie gefertigt werden, mithalten können?

Als Student für Wirtschaftsingenieurwesen bringt Frank ein großes Stück theoretisches Knowhow mit. Bauliche Berechnungen und das Wissen um physikalische Eigenschaften, gepaart mit handwerklichem Geschick, stellen eine gute Basis dar. Wie es sich für einen Startup gehört, arbeitet auch Marius handwerklich mit. Der Student im Bereich Management für kleinere und mittlere Unternehmen ist auch der Mann für die Zahlen. Als Hobbysurfer nutzen der Hamburger und der Emsländer die windlose Zeit, um ihren Traum von der Selbstständigkeit zu leben oder skaten zu gehen. Wie bei vielen anderen Startups der Szene wurde zunächst in der heimischen Garage gewerkelt, bis der Raum zu klein wurde und auch die hohe Nachfrage nach rationelleren Herstellungsformen mehr Platz verlangte. So löste bald eine Spindelpresse die Vakuumpumpe ab, und die Garage wurde in eine richtige Werkstatt verlegt. Hierfür musste ein 2.000 Kilogramm schweres Spindelpressen-Monstrum von Braunschweig nach Stralsund gebracht werden – was den alten T4 gewichtstechnisch an seine Grenzen brachte. Unter dem Strich war die Werkstatt damit voll einsatzfähig.

Nur, allein eine Presse und aufwendig CNC-gefertige Pressformen sorgen noch längst nicht für einen fertigen – und vor allem reibungslosen – Produktionsablauf. Hier ist die Art von Kenntnissen gefragt, die man wohl erst nach einigen Pleiten, Pech und Pannen erhält. Und so verließen die beiden Jungunternehmer das ein oder andere Mal nach zehn Stunden Arbeit die Werkstatt, ohne auch nur ein einziges Board gebaut zu haben

Irgendwann hatten sie den Bogen raus; das Wunschprodukt erblickte das Licht der Welt, und die ersten Boards wurden fertiggestellt und verkauft.Das Herumexperimentieren mit alternativen Faser- und Verbundstoffen fand in der heimischen Szene großen Anklang. Und auch für die Verwendung regionaler Hölzer, bezogen über einen lokalen Zulieferer, erhielten Marius und Frank große Zustimmung.

Das bearbeitete Eschenfurnier gibt den Boards den typischen Treibholzlook. Zudem wurde eine paar T-Shirts und Hoodies und Caps mit dem Logo bedruckt und bestickt.
Aber was nutzt das beste Produkt, wenn wenige davon wissen? Also wurden Facebook, Instagramm, Videoplattformen und Presse gefüttert, und es folgte sogar der erste Fernsehauftritt beim NDR.

Apropos Werbung – helfen wir den Jungs doch ein wenig – , das Modell Übertreibholz schlägt mit 159 Euro zu Buche und ist damit für ein deutsches Produkt nicht allzu teuer.

Das Übertreibholz-Komplettboard liegt mit Bolzentrucks und Liam Morgan Pro Wheels bei 269 Euro. Auch das ist ein für heimische Fertigung durchaus akzeptabler Preis.
Die anderen Boards, die Cruiser Spliff und Planke, sind für 249 Euro als Komplettboard erhältlich.  Und der kleine Minicruiser Stick mit seinen 129 mm Paris-Streetachsen und 60 mm Wheels liegt bei 189 Euro.

Das nächste große Ziel ist eine eigene CNC-Fräse. Das würde die Produktion nochmal im Hinblick auf Qualität und Geschwindigkeit enorm verbessern.

Und auch in der Werkstatt soll es Änderungen geben. Eine Vergrößerung soll helfen, die Arbeitsabläufe weiterhin zu optimieren. Bis dahin ist es aber noch ein längerer Weg – bei aller Freude am Boardbau.

Das Studium darf nicht vergessen werden, und die Abschlussarbeiten schreiben sich – wen wundert’s – nicht von allein. Wir sind gespannt, wohin es die Hölzer treibt. Mehr Infos zu den Jungs findet ihr auf

www.treibholzboards.de