SIGNAL HILL 75

SIGNAL HILL 75 – 1975 war das Jahr, in dem James O’Mahoney das erste offizielle Downhill-Rennen der Welt organisierte. Der Signal Hill Speedrun sollte zur Legende werden, von der man noch 40 Jahre später reden würde. Mike Horelick von Tunnel schildert uns, was damals passierte.

Gewinner dieses Rennens, das in der Nähe von Long Beach stattfand, wurde  Guy Grundy. Er schaffte es, auf die für die damalige Zeit unglaubliche Geschwindigkeit von 80,78 Stundenkilometern zu beschleunigen. Das Race wurde in den Folgejahren mit über 5.000 Besuchern und großem Medieninteresse zum jährlichen Stelldichein der Szene.

Mag ein Gefälle von 30 Grad den einen oder anderen Skateboarder inspirieren, für die meisten Skater jener Zeit bedeutete die Teilnahme auch gleichzeitig eine schmerzhafte Erfahrung. Protektoren, wie wir sie heutzutage nutzen, gab es damals noch nicht. Lederkombis waren ebenfalls noch nicht erfunden. Die abgebildeten Anzüge waren eher eine Art Ballonseide.  Also stürzte man sich mit dem Glauben an das eigene Können, einem Helm und reichlich Mut in den Abgrund. Die Fahrtechniken waren sehr individuell. Die meisten Stand-up-Fahrer standen mit den Füßen parallel zueinander auf den Brettern, um die optimale aerodynamische Position einzunehmen. Die Tuck als solche war noch nicht ausgereift und erst in den Jahren nach 1976 wurde diese so langsam entwickelt. Einige findige Racer des Santa Cruz Teams hatten den typischen Bewegungsablauf der Skispringer für sich entdeckt. Statt mit den Armen voraus und in der Hocke änderte sich der Style in etwas, das dem heutigen Downhill schon sehr nahe kam.

SIGNAL HILL 75

1976 wollten es dann auch Mitch und Mike von Tunnel wissen und fuhren nach Long Beach raus. Dort erwartete sie ein staubiges, mit Ölspuren übersätes Stück Asphalt, auf dem sie ihre Rollen, Bretter und ihr Können präsentieren wollten.  Im Gegensatz zum ersten Jahr war die Anzahl der Skater sehr unübersichtlich geworden. So war scheinbar jeder, der auf vier Rollen stehen konnte, angereist, um das Rennen für sich zu entscheiden.

Der Topathlet Mike McCreary, der mit breiter Brust antrat und über Big-Wave-Erfahrung verfügte, gewann die Qualifikation. Leider gab es 1976 ein organisatorisches Problem, das mit dem Regelwerk zusammenhing. Die Street Luges (damals hieß die Disziplin Laydown) starteten in derselben Klasse, was natürlich zu dem damaligen Stand der Technik die Stand-up-Fahrer sehr benachteiligte. Der Dockarbeiter Sam Puccio gewann die 1.000-Dollar-Siegprämie mit einer Geschwindigkeit von 86,90 Stundenkilometern. Für viele Aktive hätte selbst das Einfahren der Siegprämie nicht gereicht, um die Kosten für ihre medizinische Behandlung zu bezahlen. Der zweite Platz ging an den kniend fahrenden John Hughes, der ebenfalls um die 86 Stundenkilometer schaffte. 1977 wurde das Reglement geändert und es wurde zwischen stehender, liegender und sitzender Fahrtechnik unterschieden. Ungeachtet dessen, dass Mitch und Mike (Tunnel Skateboard) es nicht schafften, auf die vorderen Plätze zu kommen, war die Teilnahme ein fantastisches Erlebnis. Und für Tunnel-Skateboards war es ein großer Schritt nach vorne. Man war plötzlich wer –  umgeben von all den Skate-Legenden dieser Zeit.

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Eine dieser Legenden war Waldo Autry. Geboren am 1. April und aufgewachsen im Norden von Long-Beach, schien er den Schalk für sich gepachtet und ein Abonnement für die Titelseiten der damaligen Skateboard-Maga-zine zu haben. Wer die Ehre hatte, ihm zu begegnen, der erkannte ihn meistens daran, dass er einen Waschbären auf seiner Schulter sitzen hatte. Er wurde zum ersten bekannten Vert Skater. Seine Trainingsmethoden für das Signal-Hill-Rennen waren recht originell. Er ließ sich unter anderem mit 110 Stundenkilometern bergauf von einem Auto ziehen. Auch an Mitchs Van wurden diese Zügel angebracht und Waldo wurde tatsächlich ein wichtiger Teil des Tunnel-Teams. Auf die Frage, welcher seiner vielen Bails der schlimmste war, antwortete Waldo trocken:

 

„Es war immer das Gleiche! Stürzen. Bluten. Verbinden. Und zurück auf das Board.“

 

Die ganze Geschichte über dieses durchgeknallte Rennen? Die steht im Buch „The Lost History of Longboarding“. Alternativ könnt ihr euch die DVD bei Concrete Wave in Köln bestellen. Absolut sehenswert.

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