Richtig Fallen

Richtig Fallen
Richtig Fallen

Richtig Fallen – Kevin Mauch, Teamfahrer bei Root Longboards, hat sich mal so seine Gedanken über günstige Freiflüge gemacht.

.Der Wind bläst dir ins Gesicht, die Welt fliegt an dir vorbei. Deine Augen tränen leicht, und die nächste Kurve rast dir entgegen. Deine Hand berührt den Boden, das Brett steht quer. Alles passt, und dann plötzlich steht die Zeit still. Das Brett hat sich verkantet und du weißt und befürchtest zugleich, dass du auf dem Boden aufschlagen wirst.

Eigentlich geht alles rasend schnell. Es sind nur Bruchteile von Sekunden, die vergehen, und doch scheint alles wie im Zeitraffer abzulaufen. Was entscheiden wir in dieser kurzen, gefühlt mitunter langen Zeit? Worin liegt die Kunst des Sturzes?

In einem kleinen Intermezzo der Theorien versuche ich ein kleines Gesamtbild der Möglichkeiten zu erschaffen, die beim Sturz im Downhill funktionieren können oder auch nicht. Grundlage des dynamischen Sturzes ist der Statische.

Was das heißen soll?

Mit Dynamik versuche ich ein Wort zu benutzen, das über unsere natürliche Bewegungsgeschwindigkeit hinausgeht.

Also Rennen, Sprünge in die Tiefe, Skaten, und mit Statik alles andere.

Und so gleich auch die erste Frage: Wer hat denn schon mal versucht kontrolliert und schmerzfrei auf den Boden zu fallen? Einfach so aus dem Stand? Ich schätze mal, dass das nicht sonderlich viele sind.

In den Asiatischen Kampfkünsten wird in vielen Teilen das Stürzen gezielt trainiert. Denn wer wirft, wird auch geworfen werden. Die sogenannte Fallschule basiert auf dem Konzept der Körperspannung, dem Schutz des Kopfes und dem Kontakt mit dem Boden mit großer Fläche beziehungsweise weniger empfindlichen Körperstellen. Eigentlich ja genau das, was wir auch benötigen.
Um das zu lernen empfiehlt sich natürlich die Ergänzung des Skateboardtrainings mit einer solchen Disziplin.

Das Ju-Jutsu ist dabei sehr zu empfehlen, da es sehr günstig ist und auch gut organisiert und effizient.

Doch wieder zurück zum Brett. Was wir jedenfalls immer tun können, ist, unsere empfindlichen Körperstellen zu schützen. Dazu gehören IMMER Helm, Knieschoner und eigentlich auch ein Rückenprotektor. Der Gedanke sollte dann sein, immer auf die geschützten Bereiche zu fallen beziehungsweise so schnell wie möglich dorthin zu gelangen. Ein Crash ist immer aktiv zu gestalten! Nicht einfach der Dinge harren.

Das wirft natürlich Fragen auf!

Bei höheren Geschwindigkeiten besteht keine Wahlmöglichkeit, ob man fällt oder versucht, den Sturz noch irgendwie abzufangen; bei niedrigen Geschwindigkeiten besteht die Wahl durchaus. Ich spreche nicht nur von mir selbst, wenn ich behaupte, dass wir nur allzu gern versuchen weiterzurennen, wenn es hakt. Doch so klug ist das eigentlich nicht. Angenommen, wir verkanten und springen nach vorne weg, um weiterzurennen.

Der Schlag, der vom Fuß bis in die obersten Nackenwirbel reicht, kann einem ganz schön zusetzen.  Ob es dann eine geprellte Ferse, ein malträtiertes Kniegelenk oder nur dumpfe stechende Schmerzen in eurem Rücken sind, ist dann auch vollends egal.

Vorsicht: Man benötigt dafür viel Übung und Routine!

Doch jetzt habt ihr die Geschwindigkeit doch etwas überschätzt oder seid einfach gar nicht auf einen Sturz vorbereitet. Deshalb sollte man sich angewöhnen, ganz den Rock ’n‘ Rollern der Vor- und Neuzeit folgend, auf die Knie zu fallen und dabei seinen Oberkörper nach hinten zu beugen. Fällt man nach hinten, gilt grundsätzlich: Kinn zur Brust, Rücken rundmachen und versuchen, die Kraft, die entsteht, zu neutralisieren, indem man sich abrollt. Dennoch Vorsicht: Man benötigt dafür viel Übung und Routine!

Angenommen, ich bin jetzt technisch in der Lage zu stürzen; mein Körper ist es im Ernstfall dennoch nicht. Was viel zu oft als unnötig abgestempelt wird, ist das Dehnen.

Allzu oft ertappt man sich selbst dabei, sich weder warmzumachen, bevor wir aufs Brett steigen, noch die einseitige Belastung des Downhills auszugleichen – geschweige denn, sich nach dem Sport auszudehnen. Dabei braucht unser Körper seine Zeit, den Kreislauf auf Belastung einzustimmen. Der Puls steigt, die Muskeln verlangen vermehrt nach Sauerstoff, die Verdauung wird eingestellt. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, sich aufzuwärmen, denn ein aufgewärmter Körper ist belastbarer als ein kalter.

Die Dehnung gibt uns zusätzlich Schutz durch mehr Beweglichkeit. Im Falle eines Sturzes kommen häufig Überdehnungen zustande, da der Körper sich unvorteilhaft über den Asphalt bewegt. Vor allem hilft uns das Dehnen, kombiniert mit belastungsarmen Bewegungen, nach dem Sport, um die unter Anstrengung entstandenen Zwischenprodukte der Muskeln wieder abzutransportieren und somit einem Muskelkater vorzubeugen.

Alles ist mit viel Übung verbunden. Wir lernen nur durch das Tun. Und das Stürzen sollte ebenso geübt werden wie das Fahren. Je mehr wir uns geistig und körperlich damit auseinandersetzen, desto weniger werden wir stürzen und umso seltener werden die Stürze unkontrolliert ablaufen – und damit sinkt letztlich die Gefahr, sich schwer zu verletzen.

Daher gilt, für immer und ewig: Übung macht den Meister!

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