Aloha means also f**ing fast – Die Mike Jucker Story

Jucker Hawaii Story

Aloha means also f**ing fast – Die Mike Jucker Story – Der Wahlhawaiianer Mike Jucker ist das Phantom der Longboardszene. Viele behaupten, es gäbe ihn gar nicht. Dies hatten wir in dem einen oder anderen Forenbeitrag mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen. Höchste Zeit, dem Phantom hinterherzujagen und es zur Rede zu stellen, denn die Bretter von Jucker Hawaii zählen wohl zu den meistver-kauften Longboards in Deutschland. Sie sind allesamt nach Hawaiianischen Namen benannt. Waren es in der letzten Saison noch in erster Linie Cruiser, so wagt sich das  deutsch-schweizerische Konglomerat in der letzten Saison auch in den Freeride- und Downhillbereich.

Slide in Paradise
Slide in Paradise

 

von Mike Jucker

Wer an Hawaii denkt, dem kommen der tiefblaue Pazifik und die halsbrecherischen Wellen in den Sinn. Hawaii ist Synonym für Wasser, schöne Strände und sommer-liche Temperaturen, das ganze Jahr hindurch. So ist auch der Lebensrhythmus der Leute auf den Inseln vom Meer geprägt. Wer auf Hawaii wohnt, hat in den meisten Fällen irgendetwas mit Wasser am Hut und liebt den Strand. Hawaii ist auch bekannt als  der Geburtsort des Surfens, Windsurfens, Kiteboardens und Stand Up Paddelns.

Surfen ist die Mutter aller Brettsportarten, das wissen wir alle, seitdem wir selber das erste Mal auf einem Brett gestanden haben. Wer mit der Materie trotzdem noch nicht sehr vertraut ist, sollte sich den Film von Stacey Peralta „Dogtown & Z-Boys“ anschauen. Dort wird einem veranschaulicht, dass die Geburt des Skateboardens nichts Anderes war als ein Versuch, das Surfen auf die Straße zu bringen. Wenn man an Hawaii denkt, ist die erste Assoziation gewiss nicht das Longboarden.

Warum auch mit einem Board auf die Straße gehen, wo man doch hier mit einem Brett 365 Tage im Jahr übers Wasser gleiten kann? Eben genau deswegen! Denn weniger bekannt als die weißen Sandstrände von Hawaii sind die hohen Berge. Letzten Endes ist Hawaii auch „nur“ eine Bergkette, die aus dem Meer ragt.

Maui wird auch „The Valley Isle“ genannt, „Insel der Täler“, und wo es Täler gibt, muss es  logischerweise auch Berge geben. Was viele nicht wissen, ist, dass Maui  3052 Meter über den Meeresspiegel ragt. Die Straße zum Gipfel des Hale’akala (Haus der Sonne) ist lang, breit, sehr kurvenreich und wunderbar asphaltiert. Eigentlich ein absolutes Paradies für Longboarder und Downhill Skater. Wo sonst kann man von über 3000 Metern direkt zum Strand skaten und hinterher surfen?

Der obere Teil der Straße liegt über der Baumgrenze und führt durch großes Weideland mit Haarnadelkurven, circa alle 500 bis 750 Meter.  Besser geht es kaum, man hat gute Voraussicht und wenig Verkehr. Von dort oben ist die Aussicht auf die Insel einfach unglaublich und auch zum Carven ist die Straße sehr gut geeignet. Und trotzdem gibt es auf Maui kein einziges Downhill Rennen, Slidejam oder sonst irgendeinen Longboard Event. Die Longboardszene ist sehr klein und durch die Weitläufigkeit der Insel auch sehr verstreut.

Ich selber wohne seit elf Jahren in West Maui und bin wegen des Surfens und nicht wegen des Skateboardens hier „gestrandet“.  Als Skater der ersten Stunde in Zürich, ließen mich Brettsportarten seit meiner Kindheit nicht mehr los. Als ein „Kind der Berge“ und passionierter Skate- und Snowboarder war das Surfen für mich immer so etwas wie „The last frontier“, die letzte (oder besser: erste) Bastion der Brettsportarten, die erobert werden musste.

Einige Kollegen brachten damals schon die ersten Longboards aus den Staaten mit nach Zürich und nach ein paar Downhill- und Carvingsessions verstärkte sich der Drang nach dem Surfen in mir immer mehr. So verließ ich meine Heimat als Jugendlicher und ging auf die Suche nach Wellen und dem ultimativen Gleit- und Carvinggefühl. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach fünf Jahren hin und her, vor und zurück hatte ich das enorme Glück, mich auf Hawaii niederlassen zu können. Ich war im Surfnirvana angekommen. Wellen ohne Ende und warme Temperaturen jeden Tag; lange vergessen schienen die Skater- und Snowboardertage aus meinem alten Leben. Ich hatte nur noch Augen für das blaue Meer.

Der Skateshop im Städtchen, in dem ich wohnte, ist etwa so groß wie mein Schlafzimmer und die Kids bauten ihre Rampen aus altem Sperrholz. Kein Skatepark weit und breit. Wer will denn hier schon skaten bei dieser Infrastrukur? Eigentlich schade…aber mich interessierte das auch weniger, da ich jetzt Wellen vor der Haustür hatte.

Mike in den Wellen
Mike in den Wellen

Es vergingen einige Jahre, als mir meine Frau ein Longboard zum Geburtstag schenkte und ich zum ersten Mal wieder auf ein Longboard oder Skateboard stieg. Ich hatte sehr viel Spaß mit meinem Cruiser und war oft damit unterwegs, ohne jemals einen anderen Longboarder zu sehen. Irgendwann legte ich das Board wieder weg. Ein paar Jahre später kontaktierte mich mein Freund Obarns. Er wolle eine deutsch-hawaiianische Firma mit mir gründen. Ich nahm den Gedanken mit Begeisterung auf und wir konzentrierten uns auf hawaiianische Marken und kreierten unser eigenes Label JUCKER HAWAI’I, welches den gefundenen Traum vom „Hawaiian Lifestyle“ widerspiegelt.

Anfangs drehte sich alles rund ums Surfen und das Stand Up Paddeln, welches auf Hawaii gerade aus den Kinderschuhen herausgewachsen war. Kurz danach erweiterten wir unser Sortiment um Skate- und Longboards. Dies war der Tag, an dem sich der Kreis schloss und ich mir meiner  Teenagerzeit als Skater wieder bewusst wurde. Obarns und ich setzten uns daran, von Hawaii inspirierte Longboards zu erschaffen, die unsere Passion für den Surfsport und den geliebten Lifestyle der hawaiianischen Inseln widerspiegeln.

Nach einigen Testrides und Fotosessions mit den Prototypen sahen die Straßen hier auf Maui auf einmal sehr anders aus. Ich traf andere Longboarder und wir verabredeten uns zu gemeinsamen Rides. Es war, als wäre die Longboardwelt auf einmal auch auf Maui erwacht. (Der Skateshop ist aber immer noch gleich groß.) Durch die Bauwut von 2005 bis 2008 entstanden einige neue Straßen in meiner Umgebung, die für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind, da es meist Privatstraßen von sehr reichen Anwohnern sind. Wenn man mit dem Auto etwas ins Hinterland fährt, findet man die tollsten Abfahrten in den Tälern rund um die Insel. Dort herrscht zum Glück fast kein Verkehr.

Obarns und ich entwickelten zusammen mit Teamridern weitere Boardshapes, um das Freeride- und Downhillgefühl weiter zu unterstreichen. Der Teenager ist in mir neu erwacht.

Mit unserem Truckdesigner Bill machte ich mich voller Ambitionen auf die Suche nach neuen Straßenabschnitten. Wir wurden oft nicht weit von unserem Wohnort fündig. Nun treffen wir uns zweimal die Woche auf einen „Ride and Slide“ und arbeiten an unserem Können.  Manchmal freue ich mich sogar schon, wenn keine Wellen da sind, damit ich nicht die Qual der Wahl habe, was ich nun lieber machen will. Wir carven, sliden und bomben unsere Straße hinunter und testen verschiedene Prototypen unserer Boards, ohne uns Sorgen um Autos machen zu müssen.

Das Tollste an der Sache ist, dass sich meine alten und neugewonnenen Skatekenntnisse positiv auf mein Können beim Surfen auswirken.

Mein großer Wunsch ist es, in den nächsten Jahren einen JUCKER HAWAI’I Longboardcontest auf Maui zu veranstalten. Es wird bestimmt eine der eindrucksvollsten Strecken der Welt sein.

Hawaii: Longboarden? Unbedingt! Surfen? Sowieso!

seite 40 hawaii

[easy-pricing-table id=“4259″]

 

Flattr this!