Longboard kaufen – Aber wo?

Ausgabe 11 Cover 40inch Longboardmagazin
Ausgabe 11 Cover 40inch Longboardmagazin

Longboard kaufen – Aber wo? Text von Björn Hekmati aus der Printausgabe 11 der 40inch.

Onlinehändler, Skateshops und Hersteller spüren es gerade in diesen Tagen deutlich: es werden mehr Longboards gekauft als jemals zuvor. Der Sport findet viele neue Liebhaber, und auch einige der alten Hasen „Decken“ sich im Frühjahr neu ein. War in den letzten Jahren bei stetigem Wachstum in der Szene immer wie-der von einem Boom oder Hype die Rede, kann man nunmehr wirklich davon sprechen. Die Leute kaufen gerade Longboards wie gestört. Aber wo kauft man denn ein Longboard, warum gerade dort, was bringt die eine oder andere Quelle für Vorteile?

Dazu ein kurzer Abriss aus Sicht des Kunden:
Große Onlinehändler führen komplette Longboards und Einzelkomponenten. Sie bieten dem Kunden i.d.R. den Vorteil einer riesigen Auswahl, die es aber dem Neuling nicht erlaubt, die Qualität anders zu bewerten, als über den Preis. Dafür erhält man einen Überblick über den Markt und die üblichen Preise. Fotos und Produktbeschreibungen können sehr aufschlussreich, geradezu lexikalisch sein (wenn z.B. alle Maße inkl. des Gewichts aufgelistet sind), oder irreführend (wenn z.B. behauptet wird, das Flippen eines Hanger ändere den Lenkwinkel der Achse). Meist aber sind bei den großen Online-händlern die relevanten Informationen vorbildlich aufbereitet, was auch so sein muss, da ja auf die Schnelle keine weitergehende Beratung angeboten wird. Ein vormontiertes Komplettbrett dort zu kaufen ist viel einfacher, als eines zusammenzustellen, da man hierzu alle Komponenten einzeln kennen müsste, um eine sinnvolle Zusammenstellung für die eigenen Bedürfnisse zu wählen, beim Komplettbrett vertraut man sich einfach dem Händler an, das kann gut gehen oder auch nicht, aber in der Regel neigt man dazu, gut zu finden, was man gekauft hat. Verlockend am Onlinehandel ist natürlich auch die meist kurze Lieferzeit des Wunschbretts, und die Möglichkeit zum Preisvergleich.

Beim Skateshop ist die Auswahl schon nicht mehr so riesig. Hier vertraut der Kunde auf die Fachkenntnis des Shop-Betreibers, der ja quasi die Vorauswahl für den Kunden trifft. Man bekommt zudem eine ausführliche Beratung und darf alle noch so doofen Fragen stellen – zumindest meistens. Die Qualität der angebotenen Ware kann in Augenschein genommen und mit dem Fachverkäufer erörtert werden. Bei der Zusammenstellung eines Komplettbrettes hilft der Verkäufer durch Tipps, man kann probeweise Teile montieren, testen und wieder verwerfen, das Farbkonzept kann in Echt überprüft werden, und wenn nix mehr hilft, bestellt der Shop eben das benötigte Teil. Und man steht eben mit den eigenen Füßen drauf, auf den Brettern, die zur Auswahl stehen – das ist neben der persönlichen Beratung der entscheidende Bonus des Skateshops. Trotzdem muss der Shop natürlich die Internetpreise anbieten, da sonst zu viele „schlaue Kunden“ das Beratungsangebot ausnutzen und dann die zuvor im Shop getesteten Teile billiger im Netz bestellen würden – allzu teuer wird also auch nicht werden. Und zu guter Letzt hat man im Shop auch noch einen persönlichen Kontakt, wenn was nicht richtig geht oder ein Teil fehlerhaft war.

Beim Longboardhersteller direkt  – meist online – können in der Regel nur dessen eigene Produkte erworben werden, bei den zusätzlichen Komponenten ist die Auswahl dann eher gering. Allerdings kennt der Hersteller sein Produkt natürlich am besten, und wird wahrscheinlich die optimale Zusammenstellung von Brett, Achsen und Rollen anbieten. Wer beim Hersteller kauft, vertraut sicherlich gern auch dessen Urteil be-züglich des Setups. Probestehen gibt’s online zwar nicht, aber umfassende Beratungen werden per Mail meist gerne durchgeführt – Die Auswahl ist ja ohnehin nicht so riesig.

 

Teils werden auch noch Sonderanfertigungen angeboten, oder es gibt günstige B-Ware mit optischen Mängeln. Und hinsichtlich der Qualität ist ja bei dem Kunden, der beim Hersteller  kauft, bereits die Entschei-dung für eine Marke gefallen, Einsteiger müssen sich aber zuvor anderweitig umfassend informieren.

Reklamationen sind auch kein Problem, da der Hersteller für Fehler an seinem Produkt ja selber verantwortlich ist und sein Verhalten sich direkt auf sein Markenimage auswirken wird. Hier kauft man quasi fangfrischen Fisch, und gewöhnlich auch nicht über dem online-Preis, da wird schon drauf geachtet. Nun kann man als Kunde die genannten Vor- und Nachteile abwägen, und sich entsprechend für eine Bezugsquelle entscheiden.

Aus Eigeninteresse möchte ich aber noch einige weitere Aspekte des Konsumverhaltens beleuchten:
Der große Onlinehändler bezieht die Ware günstiger als der kleine Skateshop, da er große Stückzahlen ordern kann, deshalb verdient der Hersteller selbst am online gekauften Produkt am wenigsten.

 

Der Onlinehändler muss zudem keine Ladenmiete bezahlen – Lagerfläche ist viel billiger – und auch keine Fachverkäufer anstellen, er braucht nur gute Lageristen und Packer. Seine Dienstleistung besteht im Wesentlichen darin, sein Shopsystem komplett, informativ, aktuell und intakt zu halten.

Im besten Fall ist der Onlinehändler aber  in der Szene engagiert, sponsert Fahrer und Events und treibt so den Sport voran (Es sollen von dieser Seite ja sogar schon Beratungsbroschüren bzw. Guides für Neulinge in der Mache sein). Sonst ist dem Onlinehandel noch seine erwähnte lexikalische Funktion zugute zu halten, denn wo sonst suchte man einen aktuellen Produktkatalog über alle Marken hinweg? Zwischenhandel erzeugt seinen Mehrwert allein durch die Bereitstellung einer schnell verfügbaren Auswahl, einer „Boardliquidität“ quasi.

Das Geld, das hier ausgegeben wird, fließt zu einem Teil weiter an die Hersteller, zu einem anderen Teil in den Lebensunterhalt von professionellen Händlern und deren Angestellten, die nicht zwingend am Skaten selbst interessiert sind, die auch andere Ware handeln können und werden, wenn was anderes gerade hypt. Der Skateshop ist ein Teil der Stadt. Ich kenne niemanden, der aktiv gegen den Einzelhandel wäre, aber viele, die ihn passiv zerstören.  Neben der stadtkulturellen Funktion ist der Skateshop meist auch Szenetreff, Werkstatt und Ersatzteillager, wenn mal sofort was gebraucht wird. Wer das zu schätzen weiß, lässt den Skateshop für sich bestellen, was auch im Netz verfügbar wäre, Kunden, die derart bewusst handeln, wollen eben lieber Ladenmieten als Lagermieten
finanzieren.

Die Betreiber sind meist selbst Skater, die den Sport voranbringen, und zwar vor allem durch Engagement. Unter ihnen finden sich etliche Vereinsgründer, DLL Funktionäre oder auch Einzelkämpfer, die tapfer ein Event nach dem anderen stemmen.

Hier finden sich auch die besten Longboard- und Skatebordlehrer!

Mit einem Skateshop wird man nicht reich, die Margen sind einfach schlechter als beim Onlinehandel, die Nebenkosten aber höher.

 

Insofern kann man bei Skateshop-Betreibern von einer gehörigen Portion Herzblut ausgehen. Das Geld, das hier ausgegeben wird, trägt also ein Stück weit auch die Kultur.

Der Hersteller ist – wenn nicht gerade „dumm-ping“ billig – per se am Sport interessiert. Er steckt seine Gewinne in Teamfahrer, Events und natürlich Neuentwicklungen seiner Produkte, die Hand in Hand mit der Entwicklung des Sports geht.

Er hat – wenn er direkt an den Endkunden verkauft – die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand, muss aber um der Bekanntheit willen auch viel Ware auf Konkurrenz kalkuliert an Shops und Händler rausgeben, die Ihren Teil vom Kuchen wollen. Viele Shops empfehlen natürlich gern jene Produkte, die den besten Gewinn bringen, also die höchste Marge erzielen. Der Hersteller trägt zudem das Risiko einerseits von Produktionsfehlern, andererseits von Fehlinvestitionen. Maschinen, Basismaterial, Komponenten – bei allem sind höhere Investitionen grundsätzlich wirtschaftlich aussichtsreicher, aber eben auch gefährlicher…

Viele Hersteller haben als Eigenbauer begonnen, sie beschäftigen Skater in der Produktion, sie verbreiten ihr Know How über die einschlägigen Medien (wie etwa hier) und leben Longboarden 24/7. Das Geld, das hier ausgegeben wird, hält das Herz des Sports in Bewegung.

Jeder mag kaufen, wo er will. Wie ich das finde, braucht nicht zu interessieren. Der Konsument ist frei, und sich seiner Macht bewusst, nicht wahr?

Euer Björn

 

 

Longboard kaufen – Aber wo? findet ihr in der Ausgabe 11 der 40inch. Diese ist noch verfügbar.

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