Latitude Longboards aus Schenectady

Wo zur Hölle liegt Schenectady?

Ganz einfach: Wenn ihr auf dem Highway 90 von Rochester nach Albany fahrt, kommt ihr direkt in die Hauptstadt des Schenecetady Country. Liegt nicht auf eurer Reiseroute? Dann hier ein paar Infos:

Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt die Stadt auch Electric City, denn General Electric hat hier seinen Hauptsitz. Mickey Rourke wurde hier geboren und da die Postleitzahl von Schenecetady 12345 ist, erhalten die Angestellten von Generel Electric sehr sehr viel Post. Denn die amerikanischen Kids schreiben, wenn sie an den Weihnachtsmann schreiben, an diese Postleitzahl.  Was gibt es hier noch? Es gab sechs Morde in einem Jahr und ein Fünftel der Einwohner lebt unter der Armutsgrenze… Aber ich wollte irgendwas anderes… ach ja…

Longboards gibt es hier natürlich auch – und wo es Longboards gibt, ist ein Longboardbauer meist nicht weit weg. Das alles wäre nichts besonderes. Wenn sich nicht die Art des Longboardbauens in Schenectady grundsätzlich von allem was auf dem Markt ist, unterscheiden würde.

Die sinnvollste, meistgenutzte und günstigste Produktionsweise war es bis jetzt, Holzschichten aufeinander zu laminieren.

Anthony Thornton und sein Vater Jim nutzen allerdings Massivholz. Dieses wird parallel verpresst, ähnlich wie eine Tischlerplatte. In diesem Fall ohne horizontale Abdeckung durch eine Sperrholzplatte. Heraus kommt ein Vollholzblock, der dem Materialaufbau vielen Brettern von Longboardbauern ähnelt, die auf diese Weise arbeiten. Kahuna Creations hat  zum Beispiel mit dem Duke eine 150cm Planke bauen lassen, die einen fast identischen Aufbau hat.

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Grundsätzlich ein schönes aber auch recht schweres Board, ohne Konkave oder irgendwelche Features. Kaum vorstellbar damit Downhill zu fahren. Viele mißtrauen auch der Querverleimung, denn wenn hier ein falscher Arbeitsschritt gemacht wird, geht es auf zum lustigen Skifahren.

 

Latitude hat einen anderen Ansatz. Auf den ersten Blick einfach nur ein Holzblock…

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…wird dieser, dank modernster CNC Technik, zum Downhillboard. Durch die gewaltige Tiefe des Blocks können Konkave, Wheel Wells und sogar Kicktails eingefräst werden.

Bleibt immer noch ein hohes Gewicht, denn die massive Holzplanke wiegt einiges. Und da kommt das eigentlich eigentümliche der Boards zum Vorschein. Es wird auf „Teufel komm raus“gefräst und der Unterbau des Boards erinnert uns an Querschnitte von Surfbrettern aus Echtholz. Hier wird die Konstruktion meistens ebenfalls mit einer Art Chassis gebaut. Diese wird dann dann von Fiberglasmatten bzw. Echtholzfurnier ummantelt, wie hier von unserem Baumeister Heiner auf Sylt, der mit seinen Bangerang Boards schon viele Fans gewonnen hat. Im Bild der Aufbau eines Surfboards, dass Heiner grade in Arbeit hat.

Wellenreiter Massivholz
Wellenreiter Massivholz

 

 

Klar, ein Downhilldeck braucht keine Ummantelung um das Eindringen von Wasser in den Hohlkörper zu verhindern. Aber Steifheit ist unabdingbar. Die verschiedenen Holzarten sind funktionell ausgewählt. Ein „Eichenstringer“ für die Stabilität, Esche für Haltbarkeit und Walnuß für die Optik. Die Steifheit soll laut Hersteller immer noch gegeben sein, nachdem das Brett in der Fräse ordentlich rangenommen wurde.

 

Latitude Longboards aus Schenectady
Latitude Longboards aus Schenectady

 

 

Auf jeden Fall ist es ein interessantes Teil, das Legacy38, welches mit Cleargrip daherkommt. Das wird natürlich im Downhillbereich eher mißtrauisch beäugt, gibt es doch kaum Anbieter, die haltbares, durchsichtiges Grip herstellen. Und das Legacy38 ist ein reines Downhill/Freerideboard.

Ob wir hier in Deutschland in den Genuß kommen ein solches Board zu fahren, wage ich zu bezweifeln. Interessant wäre es, Alexander Kempe von Bareknuckle Longboards zu dem Thema zu hören, denn er fräst ja ebenfalls viel mit Massivholz, wenn auch seine Longboards eher „tradiditionell“ gebaut werdem.

Latitude hatte eine am 10. Dezember beendete Crowdfounding-Aktion erfolgreich abgeschlossen. Am Ende waren es 10.000 und ein paar Zerquetsche, die es nun der Familie aus Electric City ermöglichen, die Bretter in Serie zu bauen.

Der Preis liegt mit 425 Dollar weit ab von allem, was wir im Bereich Longboard an Serienboards bisdato gesehen haben. Betrachtet man die Bauweise und recherchiert die Holzpreise wird der Preis plausibel. Hinzu kommen die Maschienenstunden an der „CNC“, die wohl auch in den Staaten nicht sehr günstig sein dürften.

Michael Brooks vom Concrete Wave Magazin, hat sich welche für seine neueste Charitiyaktion „Blood from Boarders“ bauen lassen.

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Mehr Infos über die Firma und die Geschichte findet ihr hier

http://www.latitudelongboards.com/