Kamerafahrten als tödliche Falle?

Tristan Hunter mit seiner Mutter Kim / Photo supplied

In seiner Kolumne auf Skateslate hat sich Max Dubler Gedanken über das Filmen aus dem sogenannten „Following Car“ gemacht. Dies führte zu recht kontroversen Diskussionen auf Facebook. Warum er sich der Sache angenommen hat, kommt nicht von ungefähr. Ich hatte bereits am Ostermontag einen Artikel verfaßt, der allerdings irgendwo in den unergründlichen Bereichen des Schreibtisches verschwunden war. Unser Testfahrer Aaron ist derzeit in Neuseeland unterwegs und so beschäftigte ich mich mit dem Land unter Down Under.  Von dort kam am Ostersonntag eine schreckliche Nachricht.

„Seine Art zu Skaten war Kunst“

Dies war die Schlagzeile die mir der eingestelle Google Alarm präsentierte. Die Annahme, ein bekannter Skater der 70er Jahre wäre nach 40 Jahren Wodka-O-Saft oder ähnlichen Exzessen abgetreten, erwies sich als falsch. Ein zwanzigjähriger Skater ist in Neuseeland beim Downhillskaten umgekommen. Besonders tragisch ist, dass er nicht von einem entgegenkommenden Fahrzeug erwischt wurde oder gegen die Leitplanke bzw. einen Baum geknallt ist. Er ist gestürzt und sein im Auto folgender Skatebuddy hat ihn mit dem Auto überrollt. Dies macht den Vorfall noch dramatischer als er ohnehin schon ist. Der Unfall ereignete sich auf der Manugakotutuku Road in Paraparaumu an der Küste von Kapiti. Tristan Hunter war ein absoluter Symphatieträger und wollte in diesem Sommer in die Vereinigen Staaten reisen. Dort wollte er professionell Skaten und viele aus der neuseeländischen Skatecommunity waren der Ansicht, dass er das Zeug dazu gehabt hat, den Sport in Neuseeland weit nach vorne zu bringen. R.I.P

Das Longboarden auf den öffentlichen Straßen von Neuseeland ist übrigens erlaubt (ab 14 Jahren), auch wenn der Gesetzgeber dies gerne ändern möchte.  Tristans Tod könnte dieses Verbot beschleunigen, in seinem Sinn wäre dies nicht gewesen.

„Er starb bei der Ausübung dessen, was ihm alles bedeutet hat!“

Das ist ein Zitat der Eltern, die ein Tributvideo hochgeladen haben, auf dem Tristan eine wunderschöne Küstenstraße, knapp zwanzig Kilometer vom Unfallort skatet.

Die Untersuchung des Unfalls ist noch nicht abgeschlossen. Angenommen wird: Tristan scheint in einer Kurve gestürzt zu sein und der Fahrer des Wagens bremste sofort. Er geriet allerdings ebenfalls ins Schleudern, prallte von der Leitplanke ab und das Fahrzeug traf Tristan mit dem Heck. Seitens der Familie des Verunglückten gab es keinerlei Vorwürfe an den Fahrer. Als der Fahrer des Fahrzeuges tränenüberströmt an der Tür der Famile klingelte, nahm in der Vater in den Arm. Das Fahrzeug wurde nicht nur eingesetzt um den Run zu filmen, sondern auch um ihn vor nachfolgenden Fahrzeugen zu schützen.

Es ist müßig über den Einsatz von „Following Cars“ und Kamerafahrten zu diskutieren. Sicherlich stellt ein 2000 Kilogramm schweres Gefährt, was dir auf dem Fuße folgt eine Gefahr dar. Aber der Fahrer hat ein Auge auf euch geworfen und deckt euch nach hinten. Das hierbei gefilmt wird, ist natürlich naheliegend. Gefährlich wird das „Following Car“ erst dann, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird.

Die Welt dreht sich weiter und der Sommer eures Lebens steht euch bevor. Aber behaltet es immer im Hinterkopf:  Downhillskaten ist ein Extremsport, der nicht umsonst EXTREMSPORT heißt. Mit 60 Stundenkilometer oder mehr auf öffentlichen Straßen zu fahren ist lebensgefährlich. Das Zischen was ihr unter dem Fullface hört, ist der Hauch des Todes. Mag ein wenig dramatisch klingen aber denkt daran: die Knautschzone seid ihr und ab 50 Stundenkilometern – unter Umständen auch bei weniger Geschwindigkeit- kann es bei einem Sturz zu inneren Blutungen durch den stumpfen Aufprall kommen. Ich richte mich hier in erster Linie an Einsteiger. Was Leute wie Alex Dehmel, Max Dubler oder sonstige Asse auf den Straßen zeigen, ist nur machbar, weil sie es jahrelang trainiert haben. Und sie haben schon einiges an Stürzen erlebt, die sie mit Glück und Können gemeistert haben. Und Glück ist nicht ewig strapazierbar. Ihr seht auf Youtube und Vimeo zumeist die gelungenen Aufnahmen der Kamerafahrten, weniger die mißglückten Runs. Auch Tristan hat einiges Videos aufgenommen und er wußte ganz genau was er tut.

Die Zahl der Longboarder hat in Deutschland gewaltig zugenommen und die kritische Masse ist längst erreicht. Das bedeutet: über kurz oder lang wird es zu Unfällen kommen.

Liebe Einsteiger, bevor ihr euch auch nur ansatzweise an den Downhillsport wagt, fragt erfahrene Downhillskater, ob ihr euch diesen anschließen dürft. Tastet euch langsam an die Geschwindigkeiten heran. KEINESFALLS solltet ihr euch experimentell an das Thema wagen, nach dem Motto: Ich stell mich jetzt mal drauf und fahre da runter. Mal sehen was passiert.

Euer Setup sollte dem was ihr vorhabt gewachsen sein und Protektoren sind selbstverständlich. Es gibt in jeder Region Leute die euch, wenn ihr nett fragt, weiterhelfen. Hört auf die Locals! Falls ihr nicht wißt, an wen ihr euch wenden sollt, sendet uns eine Email.

Und die letzten Worte dieses Artikels gehen an die Hersteller: Wenn ihr Downhill oder Freeride in euren Produktbeschreibungen als mögliche Option erwähnt, dann stellt euch auch die Frage: „Will ich als Hersteller, Shop oder Vertrieb die Verantwortung dafür übernehmen, wenn sich Kids auf 50 Euro Cruisern den Berg hinunterstürzen, weil wir es empfehlen?“

Die Empfehlung Downhill scheint ja leider inflatiös eingesetzt zu werden. Downhillskateboards und ihr Setup gelten als die Formel 1 des Longboards. Das eine flexende, sieben Lagen dicke, tordierende und mit schlechten Achsen und Rollen ausgestattete Möhre nicht dafür geeignet ist, sollte euch bei allem Profitdenkens in die Birne gehen.

Erweist ihm die letzte virtuelle Ehre und schreibt ein paar Worte

https://www.facebook.com/tristan.hunter.121?fref=ts

Quelle

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