ISPO Munich 2018 – Longboard-Embassy

The same procedure as last year, Miss Sophie?

Wie jedes Jahr hatten wir uns vorgenommen, direkt nach der ISPO Munich einen Bericht über die größte Sportmesse der Welt zu schreiben. Beinahe genauso traditionell wie „Dinner for one“ ging dies auch in diesem Jahr wieder in die Hose. Wie Miss Sophie ein paar Tage zuvor im TV meinte: „The same procedure as every year, James!“ Statt also fleissig am Rechner zu sitzen und über die wichtigen Events zu berichten, verbringen die meisten die Zeit nach diesen wilden Tagen mit Pfefferminztee, Fieberthermometer und dem Kokain des kleinen Mannes, Aspirin C+ im Bett.

Wieder auf dem Deich, holen wir den ISPO Bericht nun nach.

Fangen wir mit dem Ende der Longboard-Embassy 2017 an. Ein neues Hallenkonzept wurde von vielen Besuchern als weniger schön beschrieben. Uns selbst störte es selbstredend kaum, denn in unserem Mikrokosmos blieb eigentlich alles wie es war. Die Veränderungen trafen uns dann in den Folgemonaten. Ein großer Personalwechsel in der ISPO sorgte zunächst, wie es schien für einen Selbstfindungsprozeß. Der langjährige zuständige Mitarbeiter Jose Moreno verkündete seinen Abschied. Jose war einer der treibenden Figuren im Bereich Actionsports. Als wir ihn auf der Teamparty der ISPO trafen, erzählte er uns, dass er mittlerweile auf Fuerteventura eine kleine erfolgreiche Consultingfirma betreibt.

Durch diese Umstellung entstand ein kleines Vakuum, denn die Re-Organisation setzte einen riesigen Verwaltungsaufwand in Gang, der erst im September/Oktober seinen Abschluß fand. Und dieses Vakuum versuchte eine parallel stattfindende B2B Messe in Leipzig auszunutzen und sich im umkämpften Markt zu positionieren. Ob es sinnvoll ist, dieses Event beinahe zeitgleich abzuhalten, darüber hatten Aussteller, die auf beiden Messen ihre Waren präsentierten recht klare Meinungen. Für uns war es die pure Verschwendung der wenigen, vorhandenen Ressourcen in der Branche und auch die Aussteller sahen es mehr als kritisch. Am Ende würde ein direkter Vergleich, der die Aussteller- und Besucheranzahl offenlegt, zeigen welche Messe sinnvoller ist. Leipzig im Sommer, das wäre eine feine Idee gewesen, die auch von uns bedingungslos unterstützt werden würde. Doch auch hier ziehen für 2019 am Horizont Wolken aus dem fernen Friedrichshafen heran. Darüber später mehr.

Im September – recht spät also – war die Planung noch nicht abgeschlossen, und doch war uns klar, dass wir die Erfolgsgeschichte der Whitezu weiterschreiben wollten.  Parallel dazu tauchten die ersten 3D Planungen auf und hauten uns aus den Schuhen. Die Fläche würde noch größer werden und die Anzahl der Aussteller konnte somit erneut auf dem Niveau der Folgejahre gehalten werden. Die Longboard-Embassy machte einen Schritt in Richtung Horizont. URBAN war das Stichwort und wir öffneten uns anderen Dingen wie Elektroskateboard, Scootern und Streetskateboarding. Die Übergänge waren fließend und es galt nun diesen gigantischen Raum mit Leben zu füllen.

Der Bulli steht!

Die Zusagen tröpfelten anfänglich nur zögerlich hinein, wurde im Laufe der nächsten Monate aber zu einem stetigen Fluß und es endete dann mit Absagen an die Firmen, die zu spät kamen. Business as usual. Am Freitag vor dem Messestart fuhr ganz früh am morgen das erste unserer Fahrzeuge nach München. Natascha war zumindestens auf dem Weg dahin und kam bis Würzburg. Dann hatte der Bullie keine Lust mehr. Der bis unter die Hutkrempe beladene Kastenwagen wurde dann vom ADAC wieder auf die Straße gebracht. In München trafen derweil die ersten Aussteller ein und radebrechten mit Matteo Totini von Whitezu, der seine Anlage bereits in Ausgangsposition geschafft hatte. Dank unserer Münchener Longboardcrew hatten wir bis zum Abend alle Stände zur allgemeinen Zufriedenheit verschoben und dekoriert.

Samstag war der heiße Aufbautag und neben dem Ministry of Stoke Team, trafen auch die Aussteller einer nach dem anderen ein. Professionell wurde gebohrt, geklebt, geschliffen und schön gemacht. Die Routine der letzten Jahre half, um kleinere Krisen zu bewältigen. Unsere Ansprechpartner vor Ort Kim Scholze, Pamina Bötsch und Jacki Eskandar halfen uns wo sie konnten. In all den Jahren hatten wir ein solch hochmotiviertes Team noch nicht getroffen. Als wir am Samstag abend alles fertig hatten, war uns klar, dass diese ISPO anders sein würde, wie in den Vorjahren. Das hatte diverse Gründe. Zum einen ist der Longboardboom nicht mehr der, der in den Vorjahren mäßigere Messauftritte kaschierte. Zum anderen war erstmals seitdem wir die Messe mitorganisierten unser ganzes Team vor Ort. Vor 3-4 Jahren hätte ich wohl Verbandspäckchen und Geld für Gerichtskautionen bereitgelegt. Aber die Leute entwickeln sich weiter. Es wurde alles äußerst professionell abgewickelt und trotz längerer – sehr viel längerer – Partynächte standen alle tagsüber wie eine Eins und schufteten wie die Kesselflicker bis in den Abend hinein.

Aber zum wichtigsten Thema, den Ausstellern.

Sector9 – war erstmalig nicht mit einem eigenen großen Stand vor Ort. Nur der Marketingchef Maui ließ sich mal an der Bar blicken, um daraufhinzuweisen, dass man in der Jochen Schweizer Halle irgendeine Präsentation hätte. Aber Sector war auch nie Bestandteil unserer Embassy oder Teil der Community. Das hat sicherlich mit der Historie der Firma zu tun.

Pogo – Der Name ist Programm bei unseren Freunden. So war es auch in diesem Jahr Jogi, der für einen der spektakulärsten Aufreger sorgte. Gegen 9.00 Uhr wurde die Verbindungen des Innenhofes zur Außenwelt gekappt. Und im Innenhof stand der Pogo-Truck. Weiß, großartig und häßlich zugleich. Aus dem Inneren kein Laut. Vor dem Monster ein aufgeregter Securitymensch, wild gestikulierend. Abschleppen geht nicht so einfach… dies hieße seine Schnappatmung zu beschleunigen. Am Ende fand man Jogi, der in der Nacht mit einigen anderen Ausstellern in München angekommen war und schon zeitig seinen Stand aufbaute. Die Batterie des LKWs war leer und wurde dann mit einer klassischen Steckdose geladen. Am Abend konnte er dann auch hinausfahren. Pogo hatte neben diversen Snowboards, die Pogo-Palette an Longboards am Stand, sowie die 9t6t Boards.

 

Fangen wir mit den weiteren Ausstellern nach Planbelegung an.

Beercanboards – Joel Rawlins hatte eine riesige Range an Boards aufgehängt. Beeranboards entwickelt sich jedes Jahr weiter und auch in diesem Jahr konnte man neue Farben, Designs und Shapes entdecken. Laut Joel wird BCB in einer Art Roadshow, in diesem Jahr in einigen Einkaufszentren zu finden sein.

Curfboard – Erfolg ist das Ergebnis von Talent, harter Arbeit und Innovation. Paßt! Curfboard darf als einer der Shootingstars 2017 bezeichnet werden. Die Achse, in München entwickelt, wird wohl auch in 2018 der Bestseller bleiben. Leichte Optimierungen wurden vorgenommen ohne das Prinzip des Surfskateboardings zu verändern. Warum sollte man auch ein funktionierendes Konzept verändern?

WakGs – Klaus Walter ist unser Lieblingsboardbastler. Konventionen sind im egal. Er baut einfach das, auf das er Bock hat. Seine zwei Meter langen Monsterboards gelten als legendär. Klar, 600 Euro oder mehr – da überlegt man sich ob man so ein Kunstwerk über die Straßen shreddert. Wie im letzten Jahr, so hatte Klaus eine Serie von kleineren Boards am Start. Surfskateboards und Cruiser. Die Optik war gewöhnungsbedürftig – doch der Erfolg gibt ihm recht.

SLIDE Surfskateboards – Die Spanier waren in diesem Jahr mit einem größeren Stand vor Ort. Die Designs von Iciar scheinen zu funktionieren – genauso wie die Performance der Tablas, denn einige große Kunden waren sehr interessiert an den Surfskateboards. Die Achsen sind mittlerweile modifiziert, Kinderkrankheiten ausgemerzt und mit einem Verkaufspreis von 170 Euro sehr interessant gehalten. Wir lieben diese Leute. Es kommt ja immer die ganze Familie nach München. Und die Generationen von Sancheskis haben Geschichten zu erzählen, die wir so auch noch nicht gehört haben.

YOW – Einer der Marktführer der Surfskateszene stellte einige neue Modelle aus. Das wäre die kurze Version. Iban, Joan und Hugo zeigten nicht nur stolz die neuen Desigs und Boards. Auch die Feder in der Achse wurde nochmals verbessert. Der für uns beste Surfsimulator auf vier Rollen wird seinen Weg auch in 2018 machen. Nun gibt es die Boards auch mit größeren Rollen und längerer Wheelbase. Das macht die Boards aus dem Baskenland auch für Einsteiger interessanter.

 

Peaceboards – Aus Israel waren Nitzan und Alon an die Isar gekommen. Die Anzahl der ausgestellten Boards war schon eindrucksvoll. Besonders die Surfskateboards seien hier genannt, die den arrivierten Firmen in nichts nachstanden. Der Preis ist heiß… mit 139 Euro wird die Meßlatte tief angelegt. Ob sich die Boards auch in Deutschland durchsetzen werden?

Charger X – Die Frage ob sich die aus Israel stammende Marke durchsetzen wird, stellt sich kaum. Schon jetzt hat sie den Ruf als Pennyboards des Surfskatens weg. Die Plastikboards sind sehr breit und sehr kurz. In den Handel kommen sie mit Aluminiumtrucks und nicht wie auf der ISPO ausgestellt, mit Plastikachsen. Bei 99 Euro je Board ein typischer Mitnahmeartikel. Lobend sei erwähnt, dass die Boards aus recycleten Autoteilen hergestellt werden.

Legend Longboard – Ein Mann mit einem großem Talent, einer gehörigen Portion Humor und einem noch größeren Herz. Alex hatte in den vier Tagen der Embassy aus einem einfachen Stück Holz mit klassischen Werkzeugen ein Longboard geshapt. Die Boards die in der Ausstellung bereits fertig hatte, waren vom Wert her beinahe unbezahlbar. Bis zu 17.000 Euro hatte Alex als möglichen Verkaufspreis angesetzt. Das spöttische Lächeln verging den meisten Fragestellern jedoch recht schnell. Denn die Arbeit, war es einfach wert. Die Achsen, zu denen er sich nicht detailliert geäussert hat, basieren auf Öldruck und das Stück alleine liegt bei 1000 Euro. Dass Alex sein Werkstück nach vier Tagen Arbeit für unsere Krebshilfeaktion #fuckcancer vesteigern lassen will, zeugt von seinem großen Herz und sein stures Bestehen auf einen Drogentest bei einer Polizeikontrolle vor der Halle, steht für seinen goldigen Humor.

Rollerman – Wir haben nicht viele Stars in der Szene. Jedenfalls keine die über den normalen Szenefame hinaus kommen. Aber einer, der mit dem Rollen sein Geld verdient und gleichzeitig ein kleiner Weltstar ist, haben wir dann doch. Unseren Rollerman! Jean Yves Blondeau hat neben seiner unglaublichen YouTube Bildschirmpräsenz unter anderen auch Jackie Chan das Fahren mit dem Rollermann-Anzug beigebracht. Und diesen Anzug stellte er zum Verkauf aus. Als Sonderanfertigung versteht sich. Bei 6.000 Euro geht der Anzug los und wir haben diesbezüglich noch eine kleine Überraschung die wohl im Laufe des Jahres viral gehen wird.

Seismic Skates – Neben seiner neuen Downhill Rolle präsentierte Dan Gesmer die neuesten Produkte von Seismic Skates. Dans Entwicklungen stehen für hohe Qualität und Innovationen in der Skateboardindustrie. Wie jedes Jahr saß er mit Aaron hinter seiner Glasvitrine und diese war gleichzeitig der Treffpunkt der Urethan-Techies.

Season Distribution – Icon, Rayne, Walzen, Bolzen um die wichtigsten Marken zu nennen. Die neuen Alternative Skateboards waren sicherlich eines der Highlights der Embassy. Leider nur mit 2-3 Brettchen vor Ort. Ingo von Icone aus Österreich war ebenfalls zugegen und stand Rede und Antwort zu den neuen Boards seiner Bretterschmiede. Und Heiko Schöller präsentierte die viel begutachtete neue Bolzen V2

MDCN Distribution – Triple8, Hydroponic, Carver und natürlich Loaded wurden von Richies Gang präsentiert.

Onan Europe – Frank Sommer hatte erstmalig den x3 4wheel Drive von Onan am Start. Viele Gespräche rund um Elektroskateboards fanden an seinem Stand statt. Er gilt als Urgestein der Longboardszene und macht seit geraumer Zeit auch das Elektrolongboard in Deutschland salonfähig. Ein dickes Dankeschön geht im Nachhinein nochmals an Frank. Mit seinem Showact am Dienstag abend hatte keiner gerechnet. Seine DJ Fähigkeiten stehen seinen Longboard-Skills in nichts nach. Und statt die Gage in die durch Messen und Reisen gebeutelte Kriegskasse fließen zu lassen, verzichtete er spontan auf diese und spendete sie an Phil und Esther. DANKE MANN!

Madrid Skateboards – Leider ohne Angela und Jerry Madrid war Madrid Skateboards in diesem Jahr nach München gekommen. Shane vetrat die beiden würdig und präsentierte die neuen Madrid Skateboards 2018.

Kebbek Longboards – Zum Jubiläum hatten die Kanadier erstmals einen Stand in der Longboard-Embassy gebucht. Das erlaubte längere Gespräche über die kanadische Longboardszene und die neuen Produkte von Kebbek.

Landyachtz – Die Jungs aus Vancouver hatten ihre 2018er Range ebenfalls dabei.

Olson Hekmati – Vielen werden die neuen Furniere aufgefallen sein. O&H verstärkt nun auch wieder das Customizing. Also falls ihr ein Board haben möchtet, das genau auf euch zugeschnitten ist – ruft in Mainz an.

Rocket Longboards – Auch ohne Boards konnte man an der Freakshow teilhaben. Diese war nämlich auf dem aufgehängten Banner sichtbar. Aber nicht nur neue Grafiken, auch das Long Distance Board von Rocket Longboards zog die Blicke auf sich.

Simple Longboards – Wiener Schmäh statt Poffertjes. Nach dem Umzug der Kultschmiede aus den Niederlanden nach Österreich hofft die Fangemeinde auch auf verkürzte Lieferzeiten.

King Lui – Nicht nur mit Boards überzeugten die Jungs aus Bayern. Auch die Gesangsperformance war grandios.

Shiner – Der britische Distributor war mit einigen Marken vor Ort.

Mindless Longboards – Ebenfalls von der Insel der schlechten Biere ist Mindless Longboards als Aussteller gemeldet gewesen. Wirklich neues im Longboardsegment gab es nicht. Dafür aber Rollschuhe…

EVOLVE Skateboards – Einen wahrlich überzeugenden Messeauftritt bot Evolve Skateboards. Sogar der Chef Jeff (lassen wir mal stehen – klingt super) war vor Ort und stand den Medien für Interviews zur Verfügung. Neben dem Stand in der Longboard-Embassy konten die Besucher auch am großen Hauptstand alle Produkte anfassen und testen. Dies taten unter anderem auch der Fußballspieler Martinez von Bayern München und der ein oder andere Youtuber.

 

Unser Leitspruch „ISPO ist wie Facebook, nur in echt“ bewahrheitete sich auch in diesem Jahr wieder.

Fotos von Carmen Speth