Featured Image
Die gelungene Symbiose aus Hilflosigkeit, Panikmache und Inkompetenz?

Die gelungene Symbiose aus Hilflosigkeit, Panikmache und Inkompetenz?

  • Posted by Redaktion
  • On Dezember 14, 2018
  • BMVI, Elektroskateboard, News

Heute war ich zum ersten Mal in meinem Leben bei den Kollegen vom „Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur“. Wir als „Ministry of Stoke“ sind immer bemüht, diplomatische Beziehungen mit den anderen Ministerien zu pflegen. Nach einem 28 Stunden Trip bin ich eben nach Hause gekommen und wollte das ganze sacken lassen, um dann morgen einen Bericht zu schreiben.

Doch die Presse Berlins, teilweise auch die überregionalen Medien geben natürlich alles um Quote zu machen. Unwissend ob der Fakten, werden irgendwelche Behauptungen aufgestellt, die schlecht recherchiert sind oder werden einfach via „copy paste“ auf die Leserschaft geschleudert. Diese nimmt die Melange aus Blut und Knochensplittern – wie zum Beispiel

Scooterfahrer tötet 90jährige #klicksgenerienzwinkersmiley

oder

 

Knochenbrecher auf den Straßen #klicksgenerienzwinkersmiley

 

begeistert auf. Denn es muß ja immer auch ein wenig Blut fließen. Das floß heute übrigens nicht. Aber mein Vertrauen in diese Regierung floß heuer Richtung Gulli.

Von Anfang an….

Ich lebe gerne in Deutschland. Ich bin auch stolz auf mein Vaterland. Weder bin ich auf der rechten politischen Seite, noch auf der Linken zuhause. Ich tendiere zur extremen Mitte. Ein Hoch auf Herrn Sonneborn von DIE PARTEI. Weder wird uns auf einem Innenhof des Gefängnisses eine Kugel in den Kopf gejagt, wenn wir regierungskritische Artikel schreiben, noch kommt morgens um sechs jemand und schleppt mich ins Arbeitslager. Die Presse hat hier die komplette Freiheit, wie auch alle die sich an geltende Gesetze halten.

Und so lebe ich gerne hier – in meinem Deutschland.

Der heutige Tag hat mich aber an gewissen Dingen zweifeln lassen. Wenn die Regierung bei Gesetzesentwürfen zum Thema Verkehrssicherheit auf Studien zurückgreift, die nur zum Kopfschütteln anregen, wie wird dann bei Debatten über Flüchtlinge, Steuerschlupflöcher oder was auch immer entschieden. Vielmehr basierend auf welchen Fakten? Da kriege ich es mit der Angst.

Zeit für Wahrheiten oder?

Zitat des Tages auf die Frage ob man der Diskussion beim BMVI etwas positives hätte abgewinnen können:

Meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich hatte mit fehlender Kompetenz gerechnet. Aber soviel fehlender Sachverstand – das war wirklich eindrucksvoll
– unbekannter one-wheel Fahrer auf der Demo neben mir-

Ich ergänzte mit einen Spruch den wir in den vergangenen Jahren immer wieder für das Marketing genutzt hatten. „Die gelungene Symbiose aus Service und Know-How“ wurde zu „Die gelungene Symbiose aus Inkompetenz und Dilletantismus“. Das Letztere, weil keiner der Anwesenden sich mit dem Thema PRAKTISCH beschäftigte. Das Erste weil, wenn ich auf Daten zurückgreife, dann auf eben solche, die meinem mehrjährigen Studium diverser Verwaltungsarbeiten gerecht sein sollte und nicht auf irgendwelche von WIRKLICHEN Fachleuten ungeprüften Studien. Aber das wird weiter im Text beschrieben.

Das wird heute nichts

hörte ich bei verschiedenen Leuten im Vorfeld der .. ja aber was eigentlich? War es ein Vortrag, eine Diskussionsrunde? Die gute Nachricht und das Positive vorneweg. Jeder hat eine Flasche Apfelschorle und ein Mineralwässerchen auf dem Tisch gehabt. Die Referenten des Ministeriums haben sich wirklich bemüht gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Keine leichte Aufgabe bei knapp dreissig Leuten, die nur darauf warteten eine Salve Fachfragen nach der anderen auf sie zu schießen.

Der Abschluss, der knapp eine Stunde andauernden Diskussion, gesprochen vom Leiter des Vortrags soll als Quintessenz für das Gehörte stehen. „Wir geben uns wirklich Mühe aber wir müssen auch auf die Forderungen und Beschwerden anderer Verbände reagieren.“ Dass man sich den Fragen gestellt hat, rechnen wir hoch an.

Die, die mit einem Schuß Humor gewürzte Zusammenfassung lesen wollen, können hier weiterlesen. Es besteht auch die Möglichkeit die Gesamtabschrift der Sitzung anzufordern. Allerdings wird die ein paar Tage dauern.

Als dieser Fachvortrag angeboten wurde, wurde mit dem Zaunpfahl gewunken und klargemacht, dass es ihn nur geben wird, wenn das BMVI sich selbst präsentieren dürfte. Wir erhielten also eine Einführung in den Aufbau dieses Ministeriums. Recht kurzweilig vorgetragen, von einem älteren Mann der mich im Duktus an Günter Jauch erinnerte. Und es gab was zu gewinnen. Derjenige der eine der Dienststellen erriet (Deutscher Wetterdienst) erhielt vom Moderator eine eine gelbe Warnweste (ein Schelm, der etwas Böses denkt). Famose Idee. Wenn wir noch ein wenig weiter geraten hätten, wäre vielleicht die Grundausstattung Sturmhauben oder Pflastersteine drin gewesen.

Nach der interessanten dann doch ermüdenden Vorstellung des BMVIs, bekamen die beiden jüngeren Fachreferenten ihren Auftritt. Sie stellten sich vor und dann ging es richtig los. Ich habe keine Ahnung ob die beiden wirklich Fachkräfte waren, doch davon ist auszugehen. Die Dame stellte sich als Juristin vor, bei dem jüngeren Herrn kam es nicht zutage. Wie ich schon geschrieben habe. Vor ihnen saß eine wutschnaubende Meute, die substanzielle Fragen stellte, von denen nur die wenigsten wirklich kompetent beantwortet werden konnten, es sei denn man hätte sich mit dem Thema intensiv befasst. Rechnet man die Erfahrung der Anwesenden zusammen, dann trafen hier 250 Jahre Erfahrung der Branche auf ein Amateurteam. Hinter mir saß jemand, der sich einen Spaß daraus machte die Antworten zu soufflieren, denn nach einer Weile hörte man das repetieren der Worthülsen, die auf den Boden schlugen.

Frage: Wie ist des mit der Versicherungspflicht. Ist diese nicht im Entwurf falsch angesetzt?

Antwort Hintermann: „Das ist so…“
Antwort Juristin (eine Sekunde später): „Das ist so…“

Kritische Fragen wurden NICHT beantwortet und mein Einwurf, dass Leute in die Illegalität gedrängt werden, wenn sie mit den Teilen fahren, wurde nicht beantwortet. Sofort schritt der Leiter ein und beendete die Diskussion.

Wovon reden wir hier eigentlich? Das Ministerium hat eine Studie zum Thema „Elektromobiliät“ in Auftrag gegeben. Diese Studie, die der Öffentlichkeit sehr sehr spät zugänglich gemacht wurde, endete in einem Gesetzentwurf, der wiederum die komplette „Kleinst – E.Mobilitätsbranche“ auf die Barrikaden rief. Es wurde daraufhin seitens der Regierung zurückgerudert und ein neuer Entwurf in Angriff genommen. Der erste Entwurf sah eine Zulassung von Rollern im Straßenverkehr vor. Jedoch mit so vielen Einschränkungen, dass sie eine Farce war. Die zweite (uns noch unbekannte) sieht eine Ausweitung auf „Mikromobilität“ vor. Also Skateboards etc… Bis Ende des Jahres soll diese fertig sein und wird dann in Brüssel vorgelegt. Dort liegt sie dann drei Monate in einer „Stillhaltephase“ was wohl soviel bedeutet, dass sich hier einige Leute Gedanken machen sollen, ob sie nicht das ein oder andere geändert haben wollen. In diesem Fall geht es zurück nach Berlin und das Spiel beginnt von vorne. Wieder nach Brüssel zur EU und die Bedenkenträger können schauen, ob nicht hier oder da am Rad gedreht werden kann. Ein endloses Hin und Her, von dem wir, wie in der Vergangenheit passiert, kein Wort erfahren. Abgesehen von den Steuergeldern, die man verschwendet.

By the way. Fahrt ihr mit einem Board auf der Straße und werdet angehalten, kann neuerdings auch eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung folgen. Erinnert mich an australische Goldgräbercamps, in denen der Arbeiter alles von der Company kaufen muß. Denn die eingenommenen Strafsteuern, dienen ja wiederum dazu, den Staat zu finanzieren, der dann Fachreferent referieren lässt. Ist natürlich weit hergeholt.. obwohl…?

Aber was war unsere Kritik? Die Hauptkritik – und das ist der wesentliche Punkt auf dem alle anderen aufbauen: keiner der führenden Köpfe der Branche, wie Mellow, Onan, Jaykay oder Evolve wurden in die Kommunikation oder für Fachfragen integriert. Die „Forschungsgruppe“ hat teilweise die Versuche abgebrochen, weil sie nicht in der Lage war die Geräte zu bedienen. Es wurde nur ein kleiner Teil von Boards getestet und selbst diese wurden nicht von Szenekennern erklärt oder gefahren, sondern von Mitgliedern der „Forschungsgruppe“. Nur zur Erinnerung. FÜNF (!) Jahre hat es gebraucht. Fünf Jahre in denen keinerlei Statistik erarbeitet in denen die Anzahl der verkauften Boards, der voraussichtlichen Verkäufe oder Unfallstatistik erarbeitet wurde. Das wissen wir, weil keiner der anwesenden Unternehmen jemals hierzu befragt wurde. Eine Studie basiert (so meine Vermutung als Volksschulabgänger) auch und vielleicht sogar primär auf Statistiken.

Hier mal eine Randnotiz und eine Sache, die wir allem Diskutieren gar nicht vorgebracht haben…. 2017 wurden 483 Fußgänger im Verkehr getötet und 7418 schwer verletzt. (Diese Zahlen sind aus dem Netz recherchiert. Genauere Zahlen dürften dem Ministerium vorliegen)

Gut… in your Face liebes BMVI. Unsere internen Statistiken besagen, das 2017 (nimmt man die Hoverboards mit hinzu) leicht 100.000 illegale Elektroboardfahrer auf den Straßen unterwegs waren. Nun schauet und staunet.

Kaum ein Vorfall in den eines der „Knochenbrechertötungsdieweltgehtuntertötungsmaschinen“ verwickelt war. Was ihr nämlich vergessen habt… Die Wege und Straßen werden bereits von uns benutzt und wir sind soviele, dass eure Verwaltung zusammenbrechen würde, wenn wir alle zusammen losfahren würden. Soviele Knöllchen….

Wenn sich also Fachreferenten einem solch kompetenten Publikum stellen, dann kann man davon ausgehen, dass sie die ein oder andere Runde mit E-Boards oder ähnlichem gedreht haben. Aber keiner der anwesenden Mitarbeiter des Ministeriums hat jemals eines der Geräte unter den Füßen gehabt. Das war zumindest die Aussage. Eine Aussage, die dann de facto Inkompetenz ausstrahlt. Um es bildlich darzustellen:

„Es wäre so als wenn Hertha BSC von Basketballspielern trainiert würde. Wobei… #zwinkersmileyzweiteliga“

Dass sich keinerlei Notizen gemacht wurden, zu all den mehr oder weniger brillanten Ergänzungen, Vorschlägen und Fakten – dies erfüllt dann in meinen Augen die Theorie des Dilettantismus.

Wenn man also die fahrtechnischen Voraussetzungen nicht erfüllt, dann kann ja eventuell der Arbeitsnachweis am Schreibtisch erbracht werden. Aber selbst dieser schlug offensichtlich fehl. Rechts neben mir saß Jens Haffke von Evolve Skateboards, der eine recht eindrucksvolle Auflistung von Punkten auf dem Papier stehen hatte, die alle auf Fakten basieren. Die Antworten auf die wichtigsten seiner Fragen waren – sagen wir mal nett- nicht zufriedenstellend. Auch Ausführungen von Frank Sommer, der seit 14 Jahren in der Szene unterwegs sind wurden nicht weiter beachtet. Ganz zu schweigen von unserem „Elektrodino“ Kai Hauser, der sich wohl wie kaum ein anderer auskennt.

Das jetzt unter Umständen ein zweiter Entwurf folgt, kann gut sein – oder eben auch nicht. Denn wer weiß, was man sich in der Amtsstube ausgedacht hat. Dies ist die kurze Zusammenfassung der Fakten.

Und was die Panikmache und die „FUSS e.V“ betrifft. Es wird immer mit San Francisco als abschreckendem Beispiel gewunken. Dort kommen jedes Jahr 200 Leute im Straßenverkehr um. Aber kein E-Skater oder Sooterfahrer… Das Chaos dort, ist die logische Konsequenz der schieren Masse, der Verleihfirmen, die man nicht reguliert hatte. In Barcelona bietet sich das gleiche Bild. Auch Paris ist überschwemmt worden. HIER solte das Ministerim ansetzen.

Und liebe Fußgänger: Wir wollen euch euren Raum nicht wegnehmen. Nichts liegt uns ferner als auf dem Bürgersteig zu fahren. Vielleicht gedrosselte Kinderspielzeuge wie „Hoverboards“ einmal ausgenommen.

Also bitte keine Schwimmnudeln mehr – wir ergeben uns.

Beschimpfungen, Abmahnungen etc. an Alexander Lenz

(liebe Kollegen vom Ministerium – ich weiß ihr habt eine Pressestelle, die derart Blogbeiträge auswerten. Entschuldigt die blumige Sprache und eventuelle Fehler in der Rechtschreibung. Aber auch wir brauchen Reichweite)

Unser Fazit sieht nach wie vor euren guten Willen.

Fotocredit: FOTOROTO