Brunotti – aus den Niederlanden

Brunotti – aus den Niederlanden

Brunotti? Waren das die nicht mit den Unterhosen oder der Inspektor aus einem italienschen Mafiakrimi?  Viele werden jetzt sagen: Laß mich bloß in Ruhe mit italienischem Designerkram – oder gar Designerlongboards aus Italien. Aber weit gefehlt: Der Name Claudio Brunotti ist neben dem Essen, das einzige was dem typisch italienischen nahe ist. Seit 1979 stellt Claudio in der niederländischen Hochburg des Wellenreitens in Scheveningen, Windsurfboards, Snowboards und Fashion her.

Der Name hat meines Wissens nach auch in der Kiteszene einen sehr guten Ruf und wie es derzeit so ist; natürlich hat auch die niederländische Firma nun inzwischen eigene Longboards herausgebracht. Longboarden ist nicht der Kernmarkt von Brunotti und die Zielgruppe der aktuellen Boardproduktion ist zunächst im Einsteigersegment zu sehen. Im nächsten Jahr folgen dann laut Felix, dem Mann im Marketing, Highend Boards. Aber wir sind ja von Haus aus neugierig und haben mal nachgefragt ob wir nicht einen Satz Testboards erhalten könnten, um zu schauen, ob diese mehr als Beistelltisch von Nutzen sind oder tatsächlich was taugen.

Bob, Billy und Buzzer sind die Namen der drei an uns gesendeten Boards.

Fangen wir mit dem laut Felix meistverkauften Brett an:

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Bob heißt das Modell und liegt im Verkaufspreis bei 179 Euro. Mit einer Länge von 100cm und einer Breite von 22cm sind Maße im üblichen, für diese Art von Boards, unaufgeregten Bereich. Auffallend ist die wechselnde Farbgebung. Die Farbkombis Schwarz/hellblau schwarz/orange grün/weiß und pink/hellblau sind stylisch, wobei letztere Farbkombination wohl in erster Linie Fans weiblicher Natur finden dürfte. Die Verarbeitung der Boards ist gut. Lager und Griptape braucht man nicht kritisieren, denn diese sind nicht schlechter als beim Wettbewerb. Die Härte der Rollen ist mit 83a deklariert, sie wirken aber nicht besonders hart und sind auch auf weniger perfektem Asphalt angenehm zu fahren. Meiner Meinung entsprechen sie, nimmt man andere Rollen als Vergleich, einer 78a.

Verarbeitung

Die Lackierung des Decks ist sehr hochwertig, wenn auch die Achsen scheinbar nach dem Zusammenbau einfach passend zur Deckfarbe überlackiert wurden. Bei diesen Áchsen handelt es sich um die üblichen RKP 180mm, die funktionieren, ohne eine große Bandbreite an Einstellungsmöglichkeiten zu bieten. Voll aufgedreht endet ein harter Turn nämlich mit einem Wheelbite. Die Bushings sind eine Spur zu hart für ein Brett, welches für Einsteiger bzw. jüngeres (leichteres) Publikum gebaut wurde.

Das Brett bietet kaum Flex, sogesehen wäre ein schnellerer Ritt relativ gefahrlos zu bewerkstelligen, gäbe es den ein anständiges Konkave.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen: Ein reines Einsteigerboard, was sich in die Reihe der Boards, der Preislage zwischen 120 Euro und 180 Euro einreiht ohne zu glänzen. Allein das Design dürfte für die Kaufentscheidung ausschlaggebend sein. Brunotti kommuniziert auf seiner Webseite das Brett als Carve-, Slide- und Freestyleboard. Ich würde ihn als Cruiser nutzen wollen. Zum Sliden ist die Konkave zu wenig ausgeprägt und die Wheels zu breit, zu weich und haben eine grippige Lippe. Stell einen Crack drauf und er wird sliden – nicht begeistert, aber er wird rutschen. Einsteiger werden mit dem Slide allerdings Probleme haben, bzw. das Lernen wird sehr anspruchsvoll. Das Carven funktioniert nur bedingt, denn wirkliche Turns sind aufgrund der eher harten Bushings kaum möglich. Freestyle ist natürlich auch möglich, da würde ich mir aber ausgeprägtere Kicks wünschen. Laut Hersteller wird noch an Kleinigkeiten gearbeitet. Ein, zwei kleinere Änderungen und man hat ein sehr schönes Board für kleinen Dollar.

Billy ist der zweite Kandidat den wir auf Herz und Nieren testen sollen. Vorausschicken muß ich, dass wir Minicruiser mit wenigen Ausnahmen nicht sonderlich lieben und auch nicht den erwarteten Megaboom sehen. Dies war, trotz aller anderen Erwartungen im letzten und vorletzten Jahr so und es wird auch im kommenden Jahr so sein. Der Preis von Minicruisern liegt zwischen 79 Euro und 129 Euro. Ausnahmen bilden Boards im Highendbereich deutscher Hersteller (jenseits der 150 Euro) oder aber billige Teile aus Südostasien (Teilweise unter 50 Euro). Die Vorteile von Minicruisern liegen naturgemäß im Preis und in der Handlichkeit beim Transport „Offroad“ . Aber ich will ja ein Longboard um drauf zu Rollen. Von daher… aber jeder hat seine eigene Präferenz und speziell die Streetskater kaufen sich vermehrt die Teile, da es mehr Spaß bringt auf weichen Rollen zum Skatepark zu rollern, statt mit den üblichen 104a Durometern der Skateboardrollen, die eigenen Nerven und Menisken zu strapazieren. Für Einsteiger ist ein Minicruiser nicht unbedingt erste Wahl, denn er ist schwerer zu Fahren wie beispielsweise das Bob oder ein Cruiser anderer Firmen.

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Was also kann ich über den Minicruiser Billy schreiben? Für die 119,99 Euro die er kostet, ist er definitiv kein Board dass im Vergleich mit anderen Brettern in der Leistung abfällt. Kicktail, 70cm lang, leichte Konkave… alles wie es soll. Wer also einen Minicruiser kaufen möchte, hat die Wahl zwischen Helblau/schwarz und hellgrün/weiß. Kaufempfehlung bis 70kg, denn die Achsen produzieren bei harten Turns und schweren Fahrern unter Umständen einen Wheelbite!

Und dann ist da noch das Buzzer. Dieses Board ist speziell, findet aber auch seine Fans. Hinten ist das Board mit 150mm RKP – Achsen ausgestattet. Vorne sind die Achsen ebenfalls mit 150mm angemessen, allerdings handelt es sich hierbei um Achsen, die wie die Carverachsen mit einer Feder ausgestattet sind und dadurch das Pumpen erheblich erleichtern.

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Außerdem – und dies ist ein recht wichtiger Faktor für die Kids, läßt sich das Board mit diesen Achsen kinderleicht drehen. Wo RKPs oder TKPs meist ihre physikalischen Grenzen haben, hat der Buzzer mit seinen Achsen einen Pluspunkt zu verbuchen. Mit Carverachsen kann man die Trucks weder im Preis noch in der Performance vergleichen. Sie kippen zwar einfach, kommen aber nicht so flowig wieder wie die Carver. Trotzdem entwickelt sich eine Art Surfstyle beim Skaten. Interessant ist das Board mit diesen Achsen allemal. Vielleicht hätte man die Plattform, also das Deck ein wenig kürzer wählen können. Im Prinzip wirkt das Buzzer wie ein übergroßer Minicruiser. Größere Skater werden bei dem Shape aber die nötige Sicherheit finden, die man bei harten Turns gut gebrauchen kann. Das Kicktail ist besonders funktional und lässt auch Ollies und dergleichen zu.

Die Wheels mit ihren gefühlten 78a sind sehr grippig. Auch hier steht 83a in der Beschreibung des Herstellers – und auch hier ein Veto unsererseits. Für 83a Duromater ist das Urethan gefühlt weich genug. Grip macht Sinn, denn zu rutschige Rollen sind meiner Meinung nach für so ein Board nicht adäquat. Die kurze Wheelbase und die Surfachse sowie das Kicktail lassen so enge Turns zu, dass man auch mit diesen Rollen an die Gripgrenze kommt und oft genug ausbricht. Was bei eisigen Rollen passieren würde, kann sich jeder ausmalen. Brunotti teilte uns mit, dass man sich nicht sicher sei ob dieses Board weiter im Sortiment verbleibt oder gar weiterentwickelt wird. Für fortgeschrittene Skater ist das Ben tendenziell das coolste. Mit 199 Euro liegt das Brett in einem durchaus angemessenen Preisbereich. 

www.brunotti.com

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