Björn Hekmati – Björns Welt…oder: How to skateshop

Björns Welt…oder: How to skateshop – Text von Björn Hekmati

Einen eigenen Skateshop eröffnen – viele träumen davon, wenige tun es. Neben  Organisationstalent ist vor allem Durchhaltevermögen gefragt. Wieviel genau, weiß Björn Hekmati von Olson & Hekmati. Die haben im März ihren Shop in Mainz eröffnet. Björn hat sich bereit erklärt,  seine Erlebnisse dieser Zeit fürs 40inch aufzuschreiben. Stellvertretend für alle die einen Longboardshop eröffnet haben, hier also sein Bericht.

Wenn du einen Skateshop eröffnest,  und sei er auch noch so klein wie     :: asphalt-instrumente :: in Mainz, dann hast du erstmal richtig viel zu bedenken und musst eine riesige Menge von Fragen klären: Wo ist die richtige Lage? Welche Boards, Achsen und Rollen willst du anbieten? Wo kriegst du das Zeug her? Wie soll die Einrichtung aussehen? Wie machst du den Laden bekannt? Wie geht das mit der Verwaltung und den Steuern? Wie finanzierst du das Ganze? Wird die Sitzbank aus alten Skateboards zusammenbrechen? Und vor allem: Wird sich der Laden tragen?

Du musst alles planen, koordinieren, immer früh aufstehen und einfach richtig viel daran arbeiten.

Du lässt dich aber nicht beirren, denn ein eigener Skateshop ist ein Traum, und du willst ihn um jeden Preis verwirklichen… deine Zeit ist einfach zu schade, es zu lassen.

Auf dem Weg wirst du bei allem Tatendrang immer wieder gebremst.

Da ist die Bank, die nicht aus dem Quark kommt mit der Kontoeröffnung und dem EC-Karten-Terminal, der Steuerbeamte, der deine Umsatzschätzung süffisant als „recht optimistisch“ belächelt, und da ist das undichte Abflussrohr, dass mit der Maklercourtage um Rang eins auf der Liste der Ärgernisse konkurriert.

Aus dem eigenen Umfeld – wo es nicht skate-affin geprägt ist – kommen Sätze wie: Aber das ist doch eigentlich nur ein Hobby, oder? Und mit der Ankündigung des Eröffnungsdatums entsteht der Druck, alles rechtzeitig auf die Reihe bekommen zu müssen, was aber nicht geht, deshalb musst du Prioritäten setzen. und einige Vorhaben verschieben.

Dabei kannst du schon auch mal nervös werden und bist nicht immer in allen Punkten einig mit deinen Partnern. Dann wieder gibt es richtig Rückenwind, vor allem aus der Szene: Du erfährst Unterstützung von anderen Shop-Betreibern (Danke besonders an Heiko von Concrete Wave in Köln).

Die Leute aus dem skate-affinen Umfeld sagen dir, dass sie dich mutig finden, und dass du genau das Richtige tust – gerade jetzt, wo das Longboarden ja so richtig boomen wird. Sogar die Lokalpresse interessiert sich für dich und deinen Shop.  Eine Menge Leute helfen dir bei was auch immer gerade passieren muss und du bekommst vieles geschenkt, was du wirklich gut brauchen kannst, aber nicht gekauft hättest. Nach und nach entsteht jetzt dein Laden. Als die Wände gerade frisch gestrichen waren, konntest du dir nicht allzu viel darunter vorstellen, aber jetzt, wo die ersten Boards an den Wänden hängen und das Gerüst der Theke steht, da kriegst du eine Ahnung. Das wird wirklich ein Skateshop! Es fehlt zwar noch fast alles, kleine Panikattacken halten dich wach und viele Einzelheiten sind noch unklar, aber doch, alles wird nach und nach immer besser. Der Blick wechselt jetzt ständig zwischen Detail und Gesamtbild. Ist das eine gute Atmosphäre hier? Stimmt das Licht? Wenn man Musik im Laden spielen will, muss man dann auch Gema-Gebühren zahlen?

Prost Partner, wir haben heute tatsächlich einen Skateshop aufgemacht!

Wer als Kind schon in den Läden vor den Skateboards geschmachtet hat, und sich nur wünschte, dieses eine Brett kaufen zu können, wer stundenlang die Auslage im Achsenschrank studiert hat und sich über einen geschenkten Werbesticker von Tracker  oder Powell riesig gefreut hat, der kann nachvollziehen, was für ein Traum ein eigener Skateshop ist. Wie ein kleines Paradies, die Wände voller Boards, Achsen und Rollen, von allem mehr als man selber jemals wirklich ausgiebig skaten kann. . Und jetzt bist du auf einmal selbst der beneidenswerte Verwalter der Devotionalien deines Kultes.
Aber die Perspektive ändert sich – es geht gar nicht mehr so sehr ums Material. Hier kommen heute und auch in der folgenden Zeit all jene zusammen, die von derselben Leidenschaft erfasst wurden wie du.

Und es geht dabei auch nicht immer nur ums Skaten – ein Skateshop ist vor allem ein Raum für dich und deine Leute. Und du bist immer herzlich willkommen.
Bjoern Hekmati

 

 

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