BAUST DU NOCH ODER ROLLST DU SCHON? MALMÖTRAFIKEN

Hinter den Fassaden einiger Longboardhersteller lässt sich viel entdecken: Kurioses und Überraschendes aber auch Enttäuschendes. Manche schwär-men beispielsweise von ihren angeblich bescheidenen An-fängen in der elterlichen Garage, was sich später als Märchen entpuppt. Als PR-Gag verkauft es sich eben gut, Teil des „undergrounds“ zu sein.

Die Realität dieser „Märchen-Erzähler“ sieht oft so aus: Sie haben ein Designbüro beauftragt und ein x-beliebiges, funktionales und vor allen Dingen verkauf-bares Shape ausgesucht. Dann noch schnell ein oder zwei gute Teamfahrer engagiert, um Szenenähe zu suggerieren, und eine nette Homepage ins Netz gestellt. Dazu vielleicht ein, zwei verrückte Fertigungs-methoden, die man mit szenekompatiblen Namen versieht. Lässt sich alles prima verkaufen, hat aber so viel Substanz wie ein Burger aus dem Restaurant zur goldenen Möwe. Schmeckt erst gut, sättigt bis zur Ausgangstür und sorgt für Verstopfungen.

Es geht auch anders: Es gibt sie noch, wirkliche Exo-ten, deren Existenz ohne Garagenwerkstatt gar nicht vorstellbar wäre. Fast losgelöst vom kommerziellen Druck sind diese kleinen Start-ups der Treibstoff des Longboardens. Sie sind innovativ, authentisch und leidenschaftlich – wie das schwedische Label „Malmötrafiken“.

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Um ihre kleinen Meisterwerke zu schaffen, brauchen die Betreiber acht bis zehn Stunden je Brett. Isabel Venneman und Oskar Lundgren benötigen weder Fiberglas noch Harz, Leim oder Vakuumpressen – nur die eigenen Hände und einen Beitel. Diesen haben sie sich bei ihrem Lehrer „geborgt“, denn Beitel, vorzugsweise aus deutscher Produktion, sind recht teuer.

Der Grundwerkstoff sind vier Meter lange Baumstämme aus Esche oder Ulme. Traditionell werden diese Hölzer für die Herstellung von Achsen und von Holzrädern für Kutschen genutzt. Es sind also durchaus bruchsichere und harte Baumsorten. Das ist auch nötig. Schließlich verlangen Isabel und Oskar dem Holz einiges ab, wenn sie mit dem Beitel Muster erzeugen, die Pennyboard-Oberdecks ähneln. Auf die Frage, was geschehen würde, wenn man bei der Bearbeitung einen Fehler machte, kam die launige Antwort, man würde dann wohl einen Finger opfern. Tatsächlich sorgen Fehler bei der manuellen Her-stellung der Decks für eine zusätzliche künstler-ische Komponente. Denn im Gegensatz zu Werkstücken, die per CNC hergestellt werden, fallen Fehler nicht weiter auf. Vergleichen lässt sich das am ehesten mit der modernen Musikproduktion, bei der die eher steril wirkenden Schlagzeugrhythmen verändert werden, um „menschlicher“ zu klingen.

„Die Perfektion ist, dass ist dass es eben nicht ganz perfekt ist…“

Malmötrafiken, so der Name der Boardschmiede, aus dem Schulprojekt „Carve or Starve“ entstanden, in das Isabel und Oskar involviert waren. Der Reiz, mit alten Fertigungstechniken Produkte wie ein Skateboard herzustellen, war ausschlaggebend für das Projekt „Malmötrafiken“. Die Popularität der Plastikcruiser hat auch Schweden erreicht. Auch dort ist das Gros der verkauften Bretter nicht das Original Penny. Es sind die billigen Kopien, die es auch hierzulande in jedem gut sortierten Kaufhaus gibt. Etwas Besseres als ein Plastikbrett herzustellen, das wurde für die Beiden zum Antrieb.

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Und tatsächlich funktionierte es auf jene Art und Weise, die ein ganz besonderes Talent und eine Menge Geduld forderte. Während der warmen Sommermonate, in denen in Schweden die Nächte zum Tag werden, wurde die Werkstatt einfach ins Freie verlegt. Mit Freunden, Bier, BBQ und viel Lachen entstanden die ersten Bretter. Bisher wurden lediglich zwei verkauft.
Eines nach  Deutschland und eines an eine gute Freundin in Schweden, die nach San Francisco zog. Dort wurde das Brett gestohlen, und Isabel und Oskar finden es lustig, dass irgendein Krimineller mit dem Diebesgut „made in Sweden“ durch Kalifornien rollt. Die hergestellten Bretter haben eine Länge von 55 bis 57cm. Jeder weiterer Dezimeter schlägt mit zwei Stunden harter Arbeit zu Buche. Die Größe der Decks ist natürlich auch durch das Holz selbst beschränkt, denn ab einer bestimmten Länge bricht es. Kommerz funktioniert anders, und darum geht es den Beiden auch gar nicht. Sie stehen kurz vor ihrem Abschluss zum Industriedesigner, und die Prioritäten sind klar verteilt: erst der Abschluss, dann die Skatedecks. Eingehende Bestellungen müssen entsprechend warten. Der Skateboardbau scheint momentan eher ein Hobby zu sein – und warum auch nicht?

Die hergestellten Bretter haben eine Länge von 55 bis 57cm. Jeder weiterer Dezimeter schlägt mit zwei Stunden harter Arbeit zu Buche. Die Größe der Decks ist natürlich auch durch das Holz selbst beschränkt, denn ab einer bestimmten Länge bricht es. Kommerz funktioniert anders, und darum geht es den Beiden auch gar nicht. Sie stehen kurz vor ihrem Abschluss zum Industriedesigner, und die Prioritäten sind klar verteilt: erst der Abschluss, dann die Skatedecks. Eingehende Bestellungen müssen entsprechend warten. Der Skateboardbau scheint momentan eher ein Hobby zu sein – und warum auch nicht?

Der eigene Onlineshop ist in Arbeit. Bis dahin kann man die Skateboards unter www.fromskane.com bestellen. Ein Deck kostet umgerechnet 200 Euro, was angesichts der Arbeit nicht viel erscheint.

Und für das Weihnachtsgeschäft wurde im Sommer schon fleißig produziert. Solltet ihr also eines der Decks haben wollen, beeilt euch mit der Bestellung. Noch liegen welche am Lager.

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