Bangfish Trucks

Schon im letzten Jahr auf der ISPO ist uns Bob Lininger mit seinen Bangfish Trucks aufgefallen, der direkt aus China eingeflogen war.  Dort hat er einen Prototypen seines neuen Achsensystems abgeholt. Hinter Markennamen oder Produktwicklungen stehen hin und wieder auch Menschen mit ganz besonderen Geschichten. Dies wird offensichlich, wenn wir uns die Firma Bangfish, deren Produkte und den Mensch dahinter genauer betrachten.

Bob hat vor Jahren seinen gut bezahlten Job als Industriedesigner in den USA aufgegeben, um Longboardprodukte zu entwickeln. Er ließ sich seine Rente ausbezahlen, belieh sein Haus und setzte sich daran über einen Zeitraum von sechs Jahren, einen ganz speziellen Longboardtruck zu entwickeln. In diesen sechs Jahren gründete er eine Firma in China, überwarf sich dort mit seinem Partner der ihn reinlegen wollte, gründete erneut eine Firma, meldete fünf Patente an und kreierte drei eigene Produkttlinien.  Im Vordergrund stand das Design und die Fertigung der Produkte, aus denen die Achsen ohne Frage herausstechen. Nebenbei wurde auch noch ein wenig mit der Mafia und den chinesischen Offiziellen geschachert, um ohne Probleme arbeiten zu können. Es ist ein Riesenunterschied ob man in China produzieren lässt oder vor Ort eine Firma anmeldet und eine Fabrik eröffnet.

Hinzu kamen auch noch ein grotesker Unfall mit einem Electric-Trike, diverse Faustkämpfe mit unliebsamen Konkurrenten, nebst Aufenthalt in Polizeigehorsam – Gerichtsverfahren und immer wieder die Arbeit an der Verbesserung der eigenen Produkte. Zwischendurch noch die Kinder großgezogen und als Baseballtrainer gearbeitet – denn Zeit soll ja gut genutzt werden.

Nach unserer Einschätzung sind die Achsen auf jeden Fall einen Ritt wert, jedoch werden die ebenfalls von ihm vorgestellten Rollen kommerziell wohl am erfolgreichsten werden.

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Hinzu kommt eine Serie von Longboards, die sich wie Rollen und Achsen im High End Segment zuhause fühlen. Die Shapes erinnern von der Form her an Bretter die Barefootboards vor ein paar Jahren in Masse produziert hat.

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Aber unser Thema sind ja die Achsen…

Unsere Demoachsen befinden sich noch im Zoll, von daher können wir keinen Test durchführen.

Bob selbst bezeichnet seine Achsen als „die beste Idee seit der Erfindung des Urethans“

Mit Superlativen ist die Branche ja immer recht schnell, wobei ich ihm zugestehen muß – wenn jemand soviele Entbehrungen auf sich nimmt und alles opfert, dann ist vielleicht etwas dran.

Was ist besonderes an den Achsen? Der Prototyp wurde im letzten Jahr auf der iSPO natürlich befingert und ausführlich von wenigen getestet, die die Möglichkeit hatten. Wir selbst haben Bob leider nur beim abendlichen Bier getroffen. Bei denen, die die Achsen getestet hatten, war das Feedback gemischt. Die einen meinten zu kompliziert, die anderen meinten überflüssig (wir sind schließlich in Deutschland – und hier werden neue Produkte erstmal durchgewunken).

Drei Probleme sollen die Bangfishtruck mit ihren 147mm oder 180mm Breite eliminieren:

Der Wheelbite – neben Kastanien auf der Straße, dem größten Feind des Longboarders kann mit dem Bangfish Truck abgestellt werden. Durch einen einfachen Griff kann der Einstellung der Achse verändert werden und diese macht dann einfach zu, ohne dass es die Rolle am Brett vorher tut.

Unebene Untergründe – wer kennt es nicht, nach 2 km auf querverlegten Pflastersteinen fühlt man sich wie ein Zitteraal. Je nach Setup und Rollenhärte kann es einem ganz schön den Spaß verhageln. Eine Art federbasierte Stoßdämpfer, der im Truck sitzt, soll zum einen die permanente Erschütterung dämpfen, zum anderen auch die Möglichkeit bieten über kleinere Hindernisse zu fahren, ohne dass es Schläge tut. Ein weiterer Vorteil ist laut Bob, die dritte Dimension, die die Achse nun bespielt. Durch die Feder wird das Pumpen verbessert.

Umstellung des Achswinkels – ein nettes Feature, aber wir finden nicht unbedingt das Kaufargument. Der Achswinkel kann von 52° auf 48° reduziert werden um bei höheren Geschwindigkeiten eine bessere Stabilität zu erreichen.

Das Gewicht ist durch den hollow Kingpin und die Magnesiumhanger sehr niedrig.

Alles zusammen genommen macht das Achsensystem, das wohl jenseits der 120 Euro Marke liegen dürfte, dann schon wieder interessant. Es zielt in jedem Fall mehr in Richtung Cruisen und Carven.  Wir sind schon jetzt gespannt auf die Muster und berichten euch dann.

 

An den jeweiligen Webseiten wird noch gerarbeitet.