Anklage: Durch zirkulierende Tisch Rad – Street Luge

Die Strecke rund um den Gardasee ist nicht erst seit dem Video von Olson&Hekmati bekannt. Was sich dort kürzlich abspielte, erinnerte stark an Szenen aus Polizeifilmen mt Adriano Celentano und der französischen Legende Louis de Funès.

Die Verfolgungsjagd – kurz und schmerzlos

Dominik Zimmermann und sein Kumpel hatten sich die Strecke für einen lockeren Run mit dem Street Luge ausgesucht und fuhren sie souverän ab. Während einer Pause bemerkten sie ein Auto, das sich langsam näherte, kurz stoppte und dann weiterfuhr. Vermutlich Neugierige, dachten sich die Beiden, ehe sie zum zweiten Run aufbrachen.  Doch nach dem Start wurden zuerst das Begleitfahrzeug und dann die beiden Lugefahrer von einem Kleinwagen überholt.

Der Fiat und der Street Luge

Der Run war zu Ende, als das Gefährt sich mit Blaulicht als Streifenwagen zu erkennen gab. Die Carabiniere stiegen aus, schrien und gestikulierten, als hätte Deutschland in der Schlussminute des WM-Finales einen unberechtigten Elfmeter verwandelt. Auch ohne Italienisch-Kenntnisse verstanden die Beiden, dass die Polizisten sie mit auf die Wache nehmen wollten – sie und ihre Luges, vermutlich zur Beweissicherung. Der Fiat war dafür definitiv ungeeignet. Zwei Minicruiser hätten in den Kofferraum gepasst; für einen Street Luge war er zu klein – geschweige denn für zwei. Folglich musste der Fahrzeugschein vom Begleitfahrzeug ausreichen.

Das Revier

Als die Beiden im Revier eintrafen, fiel ihnen der Baseballschläger auf, der in einer Ecke stand. Selbst für diesen hölzernen „Meinungsverstärker“ war demnach im Fiat kein Platz gewesen. Offenbar ist die italienische Polizei nicht nur bei ihrer Bewaffnung recht freizügig. Auch die Gestaltung der Diensträume mit unzähligen Pin-ups an den Wänden war ungewöhnlich – vielleicht eine Sammlung der schönsten Steckbriefe Italiens? Die Verwirrung auf dem Revier war groß. Weshalb genau hatte man die Beiden verhaftet? Um das zu klären, strömten weitere Polizisten hinzu, und über das Stimmgewirr hinweg erhob sich dröh-nend das Urteil der Staatsmacht: 25 Euro Strafe pro Fahrer.

Rabatt auf zirkulierenden Tisch

Es schien jedoch rund um den Gardasee eine Sonderaktion – besser als in jedem lokalen Baumarkt – zu geben, denn bei Barzahlung würden 30 Prozent Rabatt gewährt. Den Tatbestand festzustellen war schwierig, weil die Deutschen kein italienisch sprachen, und die Polizisten weder deutsch noch englisch. Tatverdächtige können ein Delikt nur zugeben, wenn es ihnen in ihrer Sprache erklärt wird. Die beiden findigen Beamten formulierten also folgenden Vorwurf: „Circolava sulla carreggiata mediante tavolo a rotelle.“ Frei übersetzt nach Google wurde daraus: „Er wird auf der Fahrbahn durch zirkulierende Tisch Rad.“ Unsere beiden Luger verweigerten natürlich standhaft die Unterschrift, weil sie den tieferen Sinn des Vorwurfes nicht verstanden – wie auch? So blieb es bei der Strafe von 17,50 Euro und dem erhobenen Zeigefinger der Staatsmacht. Beim Wegfahren sahen die Beiden, wie ein Polizist – wild gestikulierend – seiner Begeisterung für die beiden Luges und deren Höllenritte endlich freien Lauf lassen durfte.

italia

Ein Bericht von Dominik Zimmermann.

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