Bureo – Skateboards aus Fischernetzen

Bureo

Als Depeche Mode in den achtziger Jahren den Songtext zu „New Dress“  aufnahmen, wußten sie wohl dass dieser Protestsong auch im Jahr 2015 noch aktuell sein wird. An Skateboarden haben die Jungs aus Essex eher  nicht gedacht. Es ging wohl um den Weltfrieden und die Umwelt. Womit wir beim Thema wären.

Müll soweit das Auge reicht

Jeder kennt die Bilder von Wellen auf Bali, die vor Müll nur so strotzen und das Surfen fast unmöglich machen. Oder die Bilder dieses gigantischen Teppichs aus Müll, dessen wahre Ausmaße sich wie bei einem Eisberg nur erahnen lassen, weil ein Großteil unter der Wasseroberfläche schwimmt. Besagter „Great Pacific Garbage Patch“ treibt irgendwo zwischen Kalifornien und Hawaii und ist mittlerweile auf die Größe Westeuropas angeschwollen.

Viele der Müllpartikel sind mit bloßem Auge kaum noch erkennbar, weil sie von der Strömung und den Wellen zermahlen wurden. Für die Tierwelt und uns Menschen sind die Auswirkungen verheerend. Viele Tiere verenden, ihre Mägen mit Plastik verstopft, und unsere Gesundheit ist bedroht, weil krebserregende Stoffe in die Nahrungskette gelangen.

In Deutschland gibt es einige Aktionen, sich dieses Müllproblems anzunehmen. Beispielsweise haben sich auf Fehmarn die Surfläden und viele Einzelhändler zusammengeschlossen und geben keine Plastiktüten mehr aus.

Bureo

Einen Schritt weiter ging Ben Kneppers in Chile…

2012 arbeitete er dort als Berater im Bereich Umweltberatung. Er zerbrach sich den Kopf darüber, wie man dieser gigantischen Menge an Plastikmüll Herr werden könnte, die nach und nach Chiles Küstenregionen zerstört. Immerhin zehn Prozent aller Plastikabfälle produziert die Fischerei, in Form von Überresten oder Müll.

Kneppers Idee: Er wollte alte Fischernetze zu Skateboards verarbeiten. Als er sein Projekt Dave Stover und Kevin Ahearn vorstellte, waren Beide sofort Feuer und Flamme. Ein passender Name für die gemeinsame Unternehmung war schnell gefunden: „Bureo“. Er stammt aus der Sprache der Mapuche (indigenes Volk in Südamerika) und bedeutet „die Wellen“.

4,5 Quadratmeter Fischernetz wurden benötigt, um einen Plastikcruiser herzustellen. Das ergaben erste Praxistests. Dann folgten die nächsten Schritte. Ben baute ein großes Netzwerk auf, David beschäftigte sich mit der Durchführbarkeit des Upcyclings und Kevin untersuchte die physikalischen Möglichkeiten des Materials.

Die Initiative „Net Positiva“ wurde ins Leben gerufen, und mittlerweile werden alte Netze nach Absprache mit Fischereiverbänden zu bestimmten Sammelstellen gebracht und zuvor gesäubert. Anfänglich mussten Ben, Dave und Kevin das noch aufwendig selbst tun.

Der Deal

Aber ohne Finanzierung läuft kein Business – selbst dann nicht, wenn es sich in erster Linie aus Müll finanziert. Insgesamt 40.000 Euro gab es von der Northeastern Universität und dem Start-Up Chile, so etwas wie ein Booster für Startups in Santiago do Chile. Abschließend sorgte eine Kickstarter-Kampagne nochmals für einen Geldregen von genau 64.554 US-Dollar. Der Businessplan stimmte und sorgte bei den Investoren für ein breites Grinsen: Die Herstellung eines Skateboarddecks liegt laut Forbes-Magazin bei unter acht Euro. Der Verkaufspreis für das Complete ist inzwischen bei 199 Euro angesiedelt.
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Es wäre natürlich vermessen zu glauben, je verkauftes Board würden demnach 191 Euro in die Kasse gespült werden. Es entstehen Logistikkosten und administrative Kosten, und die Boards werden wohl in den allerwenigsten Fällen direkt verkauft. Weltweit gibt es ein dichtes Netz von Distributoren und Händlern. Diese kaufen die Bretter natürlich zum Händlerpreis.
Alles in allem sollte aber je Board ausreichend verdient werden, um das Startup zu finanzieren. Zudem erhöhen die Markenkomponenten den Wert des Boards. Partner sind unter anderem Satori Wheels, die bekanntlich sehr nachhaltig produzieren, Paris Trucks für die Achsen und Bustin für die Bearings.

Sonnenbrillen

Ende des letzten Jahres brachten Ben, Dave und Kevin auch eine Sonnenbrille auf den Markt, die mit 129 Euro ebenfalls nicht ganz günstig ist. Die Verbindung aus Qualität (Carl Zeiss Optik) und dem Recyclinggedanken rechtfertigt auch hier den Preis.

Doch Bureos Prunkstück bleibt nach wie vor ihr Skateboard „Minnow“, bei dem der Bezug zum Meer nicht nur beim Ausgangsmaterial unverkennbar ist. „Minnow“ ist der Oberbegriff für kleine Süß- und Salzwasserfische, die oft auch als Köder verwendet werden, und das Design des Brettes orientiert sich an einem Surfboard-Shape, dem sogenannten Fish, der sich seit Jahrzehnten bewährt hat und sehr beliebt ist.

Zehn Tonnen Plastikmüll ließ Bureo im Vorjahr sammeln. Das klingt viel oder wenig – je nach Sichtweise. Zur Relation: Acht Millionen (!) Tonnen wurden allein im Jahre 2010 ins Meer geworfen. Doch die Initiative von Bureo ist ein Anfang, und deshalb bitten wir euch, solche Firmen zu unterstützen, die sich mit ihren Produkten in den Dienst der Umwelt stellen.

Mehr Infos gibt es auf
www.bureoskateboards.com

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