Interview mit Dominik Kowalski

Es gibt Sportler die dominieren ihren jeweiligen Sport nach belieben.
Dominik Kowalski ist einer von ihnen. Deutscher Meister, Europameister
und Weltmeister. Wir haben ihn  in Köln getroffen und interviewt.

Fotos: Felix Buchholz, Ovdre

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Wie kamst Du zum Rollbrett?

Ich war schon immer sehr sportambitioniert, Leicht-athletik zum Beispiel. Meine Schwester hat mich irgendwann darauf gebracht. Vorher habe ich schon, da muss ich so neun gewesen sein, das Board aus „Zurück in die Zukunft“ nachbasteln wollen. Wie gesagt, ich war neun. Also, ab in den Wald, Holz holen, Säge raus und los. Nachdem ich die Bretter zersägt hatte, zersägte ich die Rollschuhe meiner Schwester. Irgendwie musste das Ding ja rollen. Fuhr aber nicht so gerade und hielt auch nichts wirklich aus. Schließlich wollte ich so ein Teil wie in dem Film haben. Daraufhin bekam ich dann von meinen Eltern so einen pink-gelben Karstadt-Flitzer mit pinken Schonern. Das war echt peinlich. Ich malte das Ding schwarz an, und die Schoner blieben verschont. Ich war noch so jung, und es gab so viel zu entdecken.

Nach Biken, Fußball, Baseball, Volleyball und Turnen kam ich zum Inline skaten (lacht verlegen). Ich wurde richtig gut, doch als ich das erste Mal die Videoaufnahmen von meinem Vater gezeigt bekam… boah, ich fand das so schrecklich, peinlicher ging es kaum.  Die gibt es auch nicht mehr, Gott sei Dank. Ich fand es so furchtbar, dass ich die Dinger von einem auf den anderen Tag in die Ecke geschmissen hab‘. Somit kam meine drei Jahre ältere Schwester, die so ’nen coolen Skater als Freund hatte, auf die Idee, mir zu sagen, dass ich doch Skateboarder werden solle. Zu meinem 14. Geburtstag habe ich mir, zusammen mit meinem etwas ersparten Geld, mein erstes richtiges Skateboard gekauft.

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Weißt Du noch etwas über Deinen ersten Wettkampf?
Also, die ersten zehn Jahre bin ich nur Street gefahren. In meiner Zeit, die ich als Austauschstudent in Amiland verbracht habe, bin ich so gut wie jeden Tag stundenlang gefahren. Es ging mir fast nur ums Tricksen. Da wurde ich auf so ’nem lokalen Contest Dritter, das war ganz cool, aber nix Spezielles. Als ich wieder zurückkam, waren viele meiner damaligen Skatekumpels weggezogen, wurden inaktiv, hatten Freundinnen oder hatten Führerscheine erhalten. Ich zog weg von der Heimat, auch wegen der Schule. Ich musste mich umorientieren. Dann bin ich nach Köln bekommen. Mit den „Domplatten-Jungs“ konnte ich nicht so wirklich ’ne Connection aufbauen. Irgendwie fuhr ich ab dann immer seltener. Ich war 100 Prozent Skateboarder in 10 Prozent meiner Zeit. Doch ein paar Jungs aus Bonn, die ich noch von damals kannte, fingen an, auf Longboards rumzucruisen, haben sich Slide-Handschuhe aus Frühstücksbrettchen gebaut und machten Coleman slides. Das fand ich auch irgendwie interessant. Eine neue Perspektive entstand. Hab‘ mir das angesehen, ausprobiert und gleich ziemlich sicher ’nen 180 oder ’nen coolen Slide hinlegen können. Also wollte ich mir dann auch so ein Ding zulegen. Da sprechen wir von der Zeit so um 2003. Ich bastelte mir wie früher erstmal einen Prototypen, der Scheiße war, genau wie früher. Dann kaufte ich mir ein Pintail und fuhr überall runter, wo ich konnte. Daraus ergab sich dann mal eine Session im Westerwald. So ’ne Hütte mit ’ner schönen Abfahrt. Ich wollte meinen ersten Contest selbst organisieren. Es sollte eine Scheunenparty, mit Zelten und einem Contest in der Nacht geben, mit einem Haufen Kerzen an den Rändern, die den Weg während einer Vollmondnacht zeichneten. „The moonlight-ride“ sollte das werden. Das wird irgendwann auch noch passieren. Denn der Event hat nie stattgefunden.

 

Warum hat es nie stattgefunden?

Na ja, ich war gerade dabei, Leute in Köln und Umgebung dafür einzuladen. Da hab ich noch ‚nen Kollegen mit ’ner Offset-Achse getroffen. Dachte noch „Was ist das denn?“ Er sagte: „Das ist meine Geheimwaffe!“ Wir kamen ins Gespräch, und so erfuhr ich was von Pumptechnik und dem unglücklichen Datum meines „Moonlight-rides“, weil da die Europameisterschaft im Slalomskaten statt-finden würde. Ja, da hab ich kurzerhand alles liegenlassen, trotzdem das halbe Jahr gewartet und mir zwei Tage vorher ein Slalombrett gekauft, um die Meisterschaft mitzufahren. Mein erster richtiger Contest. Ich wurde Vorletzter. Keine Er-fahrung und kein Glück; auf meiner Urkunde stand Daniel, Daniel Kowalski, welcher Pole würde… Na ja, immerhin wäre ich mit meiner Zeit, wenn ich kein DQ gehabt hätte, bei den Amateuren auf Platz 12 gelandet.

Das gab mir Hoffnung. Kurz darauf traf ich auf Donald. Mit ihm und Christoph Baumann, Steve Hinzen oder Frank Beste, der die GoG Achse entwarf, Heiko Schöller, der heute den ConcreteWave-Skateshop in Köln führt, haben wir bald, um 2004, die „Gang of Ger-many“ gegründet. 2005 waren meine ersten Contests für Pavel und der GOG in Paris. Erster Contest fünfter Platz. Von da an ging es dann immer weiter bergauf. Auf dem ersten Worldcup stand ich dann auch mal mit auf dem Treppchen. Bis zum Jahresende gewann ich mehrere Contests, wurde Europameister und Vize-Weltmeister in der Amateur-Liga. Dann stieg ich noch vor Jahresende in die Pro Liga ein. Der erste Contest war in Amiland. Hatte dort die beste Quali, wurde zum Schluss dennoch nur Dritter. Joa, dann bin ich weiter rumgereist. Die ganze Europatour mitge-nommen. Amiland nochmal zu den Weltmeisterschaften, wurde wieder Vize, flog nach Bra-silien und gewann Interlagos, einen Slalom und ein Downhill-Rennen auf der Formel-1-Strecke…boah! Ich war so gestoked! Im darauf folgenden Jahr wurde ich bei den Pros Europameister und Weltmeister in zwei Disziplinen, Gesamtsieger und Weltranglisten-Erster. mit ’ner Offset-Achse getroffen. Dachte noch „Was ist das denn?“ Er sagte: „Das ist meine Geheimwaffe!“ Wir kamen ins Gespräch, und so erfuhr ich was von Pumptechnik und dem unglücklichen Datum meines „Moonlightrides“, weil da die Europameisterschaft im Slalomskaten statt-finden würde. Ja, da hab ich kurzerhand alles liegenlassen, trotzdem das halbe Jahr gewartet und mir zwei Tage vorher ein Slalombrett gekauft, um die Meisterschaft mitzufahren. Mein erster richtiger Contest. Ich wurde Vorletzter. Keine Erfahrung und kein Glück; auf meiner Urkunde stand Daniel, Daniel Kowalski, welcher Pole würde… Na ja, immerhin wäre ich mit meiner Zeit, wenn ich kein DQ gehabt hätte, bei den Amateuren auf Platz 12 gelandet.

Das gab mir Hoffnung. Kurz darauf traf ich auf Donald. Mit ihm und Christoph Baumann, Steve Hinzen oder Frank Beste, der die GoG Achse entwarf, Heiko Schöller, der heute den ConcreteWave-Skateshop in Köln führt, haben wir bald, um 2004, die „Gang of Germany“ gegründet. 2005 waren meine ersten Contests für Pavel und der GOG in Paris. Erster Contest fünfter Platz. Von da an ging es dann immer weiter bergauf. Auf dem ersten Worldcup stand ich dann auch mal mit auf dem Treppchen. Bis zum Jahresende gewann ich mehrere Contests, wurde Europameister und Vize-Weltmeister in der Amateur-Liga. Dann stieg ich noch vor Jahresende in die Pro Liga ein. Der erste Contest war in Amiland. Hatte dort die beste Quali, wurde zum Schluss dennoch nur Dritter. Joa, dann bin ich weiter rumgereist. Die ganze Europatour mitgenommen. Amiland nochmal zu den Weltmeisterschaften, wurde wieder Vize, flog nach Brasilien und gewann Interlagos, einen Slalom und ein Downhill-Rennen auf der Formel-1-Strecke…boah! Ich war so gestoked! Im darauf folgenden Jahr wurde ich bei den Pros Europameister und Weltmeister in zwei Disziplinen, Gesamtsieger und Weltranglisten-Erster. Ja, eigentlich habe ich so ziemlich jeden Event gewonnen, an dem ich teilnahm.

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Verstehe ich das richtig, dass Du an Deine Grenzen gestoßen bist?
Ja, aber anders. Also, ich war für mich selber noch nicht am Limit angekommen. Ich meine, ich hatte eine perfekte Saison. Ich hatte die maximal zu erreichende Punktzahl erhalten. Das gab es noch nie zuvor, seit den frühen 80ern. Also kann ich nicht behaupten, ich sei an mein Limit gekommen, sondern das System. Das ist dann auch der Punkt, wo ich wusste, dass ich es gepackt habe. Ich habe einen großen Traum verwirklicht, aber okay, jetzt brauche ich eine neue Herausforderung. Dann bin ich etwas mehr zum Downhill rüber, war da
aber minder erfolgreich gewesen. Ein Paar Podiumsplätze und Top 10 bei Worldcups. Ich wurde auch schnell besser, aber die eigentliche Begrenzung, war das fehlende Geld. Die Kosten für Material, Reisen und Spesen wurden zu meinem Problem. Ich konnte nicht auf noch mehr Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Ständig musste ich einen Scheiß-Job hier und da machen, um Kohle zu scheffeln. Komparse hier, Büroangestellter da. Dann Flieger verpassen, zu viel saufen und Party machen. Kommt ’ne Menge zusammen.

 

Hast Du Idole gehabt, denen Du nachgeeifert hast, oder hast Du aus eigener Motivation heraus gehandelt, auf Dich selbst gehört?
(Denkt kurz nach) Na ja, geeifert eher nicht, und Idole… hab‘ ich auch keine. Sebastian Hertler is‘ mein Bruder, sag‘ ich immer. Also, ich finde die größte Inspiration sind für mich… sind die Leute, mit denen man skatet und seine Zeit verbringt. Wenn ich jetzt damit anfange, weitere Namen zu nennen, geht das noch sehr lang. Egal, wer was wie macht, du lernst von Anderen, für dich selbst und deinen eigenen Style zu finden. Soll heißen: „Sei du selbst!“

 

Wie siehst Du denn den Trend des Sports hier in Deutschland und international (Slalom)?

Tja, das ist schwierig. Es gibt immer wieder Jahre, in denen richtig was passiert, und andersherum Jahre, in denen weniger los ist. Es ist wie eine Welle, die kommt und geht. Wenn du aber mal überlegst, wie alt der Sport schon ist, da gibt es immer Leute, die noch fahren. Teilweise sind die Fahrer über 50 Jahre alt.

Ja, das stimmt. Dem Alter ist da noch keine Grenze gesetzt. Wo erfahre ich denn, wann was geht und wo?

Auf der Seite „slalomskateboarder.com“ bekommt man alle Infos über die Rennen, Fahrer, Termine, Ranglisten undsoweiter. Und in Deutschland?

Es gibt ab und zu mal einen größeren Contest, wie zum Beispiel der letzte vom Donald von Pavel Skates, der Indoor Europameisterschaft. 2012 gab es die Weltmeisterschaft in Stuttgart, das ist schon ganz nett, aber sonst sind es kleinere Rennen, meistens mit wenig Tempo.

Du magst es lieber mit viel Tempo?

Ja! Die Gravitation muss mich beschleunigen (lacht). Nee, aber Geschwindigkeit … das ist halt auch das, wovon ich träume, dass man das Ganze noch ein bisschen extremer gestaltet. Eine Art Mischmasch aus Downhill, Slalom und Boardercross. Mehr Geschwindigkeit und auch mehr Technik.

Hast Du dahingehend irgendwelche Ambitionen, Projekte oder Tour- Pläne für dieses Jahr?

Ich bin jetzt nach gut sieben Jahren bei Pavel ausgestiegen. Wir sind immer noch gute Freunde. Donald ist halt der Typ, der alles 200prozentig alleine macht. Und er macht’s auch! Für mich war es an der Zeit, was Anderes auszuprobieren, selber mehr am Schaffungsprozess beteiligt zu sein. Ich hab‘ immer schon viele Ideen für Konstruktionen, Shapes, Features und Gimmicks gehabt. Zwischendurch lernte ich den Ingo von Icone Longboards kennen. Als ich das erste Brett von ihm in der Hand hielt, sagte ich das Gleiche, was auch James Kelly zu seinem Brett sagte: „Das ist das beste Brett, was ich jemals in der Hand hielt.“ Ich bin froh, jetzt bei Icone zu sein. Anfang 2014 bringen wir mein Pro Model raus.

Erzähl‘ mal was aus dem Nähkästchen: Partys!?

Oh, yep. Gerade die Downhill Partys waren saugenial. Da fällt mir die Weltmeisterschaft in North Carolina ein. Das war die wohl gigantischste Kissenschlacht. Aber keine kleinen Kissen, die von der Couchgarnitur. Aber die waren teilweise schon voll mit Wasser vom Whirlpool. Die haste dann mit Echo überbekommen. Der Sage, Alter, der war ein riesiger Holzfäller, da ging echt was ab. Da flog alles, was nicht niet- und nagelfest war. Jeder hatte irgendwo geblutet, aber es war eine riesen Gaudi. Bis dann die „COPS“ ausgerufen worden. Der Pool, der Außenbereich war so schnell leer, dass sie

niemanden vernehmen oder verhaften konnten. Alle verschwanden wir so schnell auf unsere Hotelzimmer, dass keiner auch nur eine Idee hatte, wen sie anhauen sollten. Dann wurde aus Versehen noch eine Wand eingetreten, von wem, sage ich nicht (er zwinkert). Aber da haben wir aus der Lobby ein Bild geklaut und da rübergehängt. Hat funktioniert.

Also fährst du nicht wegen des Ruhms?

Nein, natürlich nicht. Also, Fame schon gar nicht. Wenn, dann nur mit mehreren Leuten. Am besten mit ’ner ganzen Horde. Man zelebriert das halt alles so richtig, und du weißt gar nicht so recht, was da alles passiert. Ich meine, wenn du da fährst, dann ist das wie ein extremer Rauschzustand. Und wenn das alles vorbei ist, musst du, um da wieder runterzukommen, extrem viel … feiern.

Was gibt es denn Neues, worauf können wir uns denn noch freuen dieses Jahr?

Jaha, ich arbeite auch noch als Stuntman. Für wen genau, kann ich dir nicht sagen, aber wir drehen unter anderem für Serien wie „Alarm für Cobra 11“. Das geht mir total ab. Sehr geil. Ich bin jetzt hier bei ’ner Klamottenfirma und werde unter anderem mit Mel Kleider an den Markt bringen, die so ein bisschen an den Longboarder angepasst sind. T-Shirts und ’nen sehr geilen Pulli haben wir schon. Hosen kommen natürlich auch noch und dazu ein richtig schickes Video! Der

Name des Brand ist „Linienrausch“. Wir starten den Dreh, wenn der Frühling einläutet.

Ich möchte mich hiermit auch nochmal an alle meine Sponsoren wenden, die mich und meine Leidenschaft so großzügig unterstützen! Ich danke Icone longboards, GoG trucks, Cult wheels, RipTide bushings, Risch surfaces, ConcreteWave Skateshop Cologne, Link distribution, Lush gloves, Brainfukker pucks und meinem neuesten Unterstützer, Linienrausch clothing.

 

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