Sharkwheels

Bevor wir etwas als Aboprämie herausgeben, testen wir es bis zum „gehtnichtmehr“

Hier also der Test, der in der Ausgabe 12 erschienen ist.

 

DIE    QUADRATUR DES KREISES

 

Der Rollenwahnsinn treibt immer neue Blüten. Aus den USA erreichte uns via Subvert in Hamburg eine Rolle, die den Namen nicht verdient. Denn eigentlich ist es keine Rolle, eher ein Rechteck. Schon vor einem halben Jahr machte das Gerücht um eine neue Rolle die Runde. Erste Produktvideos wurden als Fake abgetan.

Ein spontaner Anruf beim Hersteller war nicht sehr hilfreich. „So in vielleicht sechs Monaten können wir liefern“ … „Ja, ja…“ also mit anderen Worten in ein oder zwei Jahren. Aber letzte Woche geschah Erstaunliches: Der Hersteller hielt sein Wort.

Nun liegt die Rolle vor uns, ein Ding aus einer anderen Welt: Grüne, in sich verschlungene Urethanstreifen, geformt zu einem verbeulten Quader. Die ersten Reaktionen waren „Oh Mann, ist die hässlich“ oder „Wozu braucht man die denn?“

Die Härte des Urethangemisches liegt bei 78a, und es fühlt sich auch so an. Da das Urethan keine homogene Einheit bildet, können die Lippen (!) leicht bewegt werden, was nicht unbedingt Vertrauen schafft, eher Bedenken, ob diese nicht nach links oder rechts wegknicken. Mit Standard-Industriebearings versehen, montieren wir die grünen 70mm Rollen auf unser Testboard.

Also runter mit den Hawgs und drauf mit den Sharks. Das Bareknuckle Wash sieht komisch aus mit den Teilen. Und die Nörgelfraktion rollt unwillig im Hof hin und her. „Hm, ich merke keinen Unterschied!“ Erste Slides im Flat funktionieren überraschend einfach: „Oh… die rutschen ja!“

Wie verhalten sich die Sharks im Gegensatz zu Standardrollen? Auf normalen Belag ist der Unterschied zur normalen Form nicht zu bemerken. Vielleicht ein Tick mehr Vibration, aber viel spielt sich auch im Kopf ab. Interessant wird es auf unruhigem Geläuf. Kopfsteinpflaster muss es nicht sein, wohl aber die quer verlegten Pflastersteine in Richtung Innenstadt, die jedes Mal die Füße massieren und nach 200 Metern zur Pause zwingen, weil man sich fühlt, wie im Mixer geschüttelt. Hier ist tatsächlich ein Unterschied feststellbar. Der Lauf ist wesentlich ruhiger und auch minimal schneller.

Laut Hersteller sollen die Rollen langlebiger sein, vor allem die Bearings werden nicht so stark belastet. In der Kürze der Zeit können wir das nicht mehr feststellen. Aber bis auf den Kern heruntersliden, das gelingt uns bestimmt. Also auf den Hügel und Slides in der Dauerschleife. Unser Spezialist fürs Zerstören ist Sepp. Aber nach etwa zwei Stunden kam er traurig zurück. Keine Chance. Es war ihm nicht gelungen, die Rolle maßgeblich zu deformieren – keine Chunks oder ähnliche Schäden.

 

Aber was geschieht, wenn man die Wheels richtig prügelt? Wie bei jeder Rolle wird beim intensiven Sliden die Glanzschicht runtergerieben. Dies auf eine sichtbare und bis jetzt kaum gesehene Art und Weise. Gleich einer Schlange verliert die Rolle die oberste Schicht und häutet sich buchstäblich. Nun wird das Sliden kontrollierter und noch einfacher. Der Hook Up ist da, wo man ihn braucht. Das Board bricht aus, ohne dieses typische laute Schnarren. Mit den Sharks geht es eher ruhig zu.

Bei Geschwindigkeiten um die 40 km/h fängt das Board an zu vibrieren. Kein Wobbeln oder das Gefühl, in einen unkontrollierbaren Bereich zu kommen, aber trotzdem eigenartig. Das Setup mit Bear Trucks, Bareknuckle Wash und Industrielagern dürfte eigentlich keine Probleme bereiten. Ratlos rufen wir bei Sharkwheels an und erhalten prompt die Antwort. Die Version, die wir erhalten haben, ist aus der ersten Charge. Die Form war noch nicht ganz perfekt. Dieses Phänomen würde bei der Serienproduktion nicht auftauchen.

Für den Downhillbereich sind die Wheels laut Hersteller noch nicht geeignet. Hier wird es eine andere Formel geben, bei der das Urethan anders angemischt wird. Zwar wurden mit der aktuellen Produktion schon Rennen gefahren, aber diese ist, wie gesagt, noch nicht abgeschlossen.

 

Auf die Frage, wie sie sich im Rennen geschlagen hat, erhielt ich die Antwort, die Perfomance sei besser als mit einer normalen Rolle, beim Verbrauch gäbe es jedoch nur einen minimalen Unterschied. Während eines Rennens würden also so oder so zwei Sets weggeshreddert werden, ob nun „normale Wheels“ oder Sharks. Ist das markante Profil erst einmal heruntergefahren, verbleibt die Restrolle, mit der gefahren werden kann wie mit einer normalen Rolle. Das allerdings dauert länger, wie wir feststellen mussten.

Seit Tagen rumpelt und donnert es. Aber leider ziehen die ganzen Weltuntergangstiefs an uns vorbei. Dabei brauchen wir doch Regen, um den Abschlusstest zu machen. Überall in Deutschland kommt es zu massiven Unwettern. Nur Neu-Isenburg bildet einen Teil der verlängerten Sahelzone. Kein Regen, brütend heiß und schwül. Erst nachdem überall schon das Unwetter durch ist, erhalten wir unseren Anteil: 20 Minuten Regen…

Endlich nass. Jetzt kann ich raus und schauen, ob die Rollen wirklich als Regenrolle taugen. Ein Blick von oben auf die Rollen in langsamer Fahrt zeigt, was geschieht. Das Wasser wird nicht von einer Fläche verdrängt, was zwangsläufig zu Aquaplaning führt. Die Rolle schwimmt also nicht auf einer Wasserfläche, sie zerteilt diese vielmehr. Irgendwann ist dieser Vorteil nicht mehr gegeben, aber das Aquaplaning setzt eben viel später ein. Durch die markante Form der Rolle wird auch ein permanenter Kontakt mit immer derselben Lauffläche mit dem Boden vermieden.

Den größten Unterschied konnten wir beim Sliden im Regen ausmachen. Zwar rutscht die Rolle wie jede Standardrolle schon bei sanftem Druck weg, kommt aber umgehend wieder zurück und lässt sich kontrollieren. Andere 70mm Rollen schicken einen erstmal in die Büsche. Die Kontrolle bei Regen hast du meist dann erst wieder, wenn du das Board in den Kofferraum packst und mit dem Auto vom Spot abfährst. Als Regenrolle sind die Urethan-Haie definitiv eine Alternative. Ob dies auch bei höheren Geschwindigkeiten funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Als ich unseren Spot erreichte, war das Wasser schon wieder Richtung Stratosphäre unterwegs.

Neue Produkte haben es immer schwer – speziell in Deutschland, da wir Deutschen allem Neuen ein gesundes Misstrauen entgegenbringen. Skandalösen Dingen wie viereckigen Rollen wird es da ähnlich ergehen wie zum Beispiel den Rojas Trucks, die zum Teil eine bessere Perfomance bieten als andere RKPs, aber eben anders sind.

Ein kleineres Problem für die Sharkwheels wird der Preis sein, der wohl bei etwa 79 bis 89 Euro liegen dürfte. Zwar sind die Produktionskosten die gleichen wie für normale Rollen, allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis auch das Volumen in der Produktion denselben Stand erreicht hat. Und so lange wird der Preis auf diesem Niveau bleiben.

Fazit:
Relativ teuer, aber für das, was die Rollen können, durchaus vertretbar. Wir jedenfalls werden unsere Setups zum Teil umbauen. Eben wegen des schwierigen Geläufs vor der Tür und der Möglichkeit, auch im Regen fahren zu können. Wenn Aaron sich also These als Sponsor wünscht, dann habe ich mir die Sharks auf die Liste gesetzt.

Die Rollen taugen für das Alltagscruisen aufgrund ihrer Dämpfung und als Regenrolle sowieso. Den maximalen Geschwindigkeitsbereich der Testrolle würde ich auf 40 bis 50 Stundenkilometer beziffern. In den Staaten haben Skater mit diesen Rollen laut Hersteller über 80 Stundenkilometer erreicht (“These crazy guys running 50 miles per hour. Can’t believe it!“).

Mit den Testrollen würde ich dies nicht tun; diese empfehle ich eher als Cruiser-, maximal als Freeriderolle. Wir erhalten zwanzig Sets dieser Rolle, um sie im Rahmen unserer Abos mit anzubieten. Falls ihr also ein Set wollt… Tappt in unsere Abo-Falle!

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